Schwarzwurzeln sind unser Winterspargel: Sie stehen den ganzen Winter im Beet, werden bei Bedarf geholt und schmecken gedämpft so fein, dass man sich fragt, warum sie kaum noch jemand anbaut. Der Anbau ist einfacher als ihr Ruf, nur drei Dinge zählen: ein tiefer, lockerer Boden, Geduld beim Keimen und das Ausdünnen, damit die Wurzeln dick werden statt dünn. Schwierig ist allein die Ernte, denn die langen Wurzeln brechen gern ab. Hier steht, wie wir Schwarzwurzeln anbauen, warum sie bei uns ins Hochbeet kommen, wie wir sie im Winter aus der Erde holen und was es mit dem Milchsaft in der Küche auf sich hat.

Schwarzwurzeln auf einen Blick
| Aussaat | April bis Mai direkt ins Beet, in milden Lagen ab März |
|---|---|
| Saattiefe | 2 cm, die Körner werden gelegt, nicht gesteckt |
| Bodentemperatur zum Keimen | 10 bis 20 °C, Keimdauer zwei bis drei Wochen |
| Pikieren | nein, Wurzelgemüse wird nicht vorgezogen. Auf 3 bis 7 cm ausdünnen |
| Abstand | Reihen 30 cm, rund 40 Korn je laufenden Meter |
| Kulturdauer | rund sechs Monate, Ernte ab Oktober |
| Ernte | Oktober bis März, nach Bedarf aus dem Beet |
| Standort | sonnig, auch Halbschatten. Tiefer, lockerer, steinfreier Boden |
| Nährstoffbedarf | Mittelzehrer, kein frischer Mist |
| Frost | winterhart, bleibt unter Stroh im Beet |
| Saatgutmenge | 2 g sind rund 80 Pflanzen, etwa 0,5 g je Meter Reihe |
Der Boden entscheidet: tief, locker, steinfrei
Eine Schwarzwurzel wird bis zu 30 cm lang und so dick wie ein Daumen, aber nur, wenn sie ungehindert nach unten wachsen kann. Steine, verdichteter Boden und frischer Mist lassen die Wurzel gabeln, und eine gegabelte Schwarzwurzel ist in der Küche ein Ärgernis. Deshalb bauen wir sie am liebsten im Hochbeet an, dort ist die Erde tief, locker und ohne Steine. Im Beet lockern wir tief und arbeiten gut abgelagerten Kompost oder Kleedünger ein, Pferdemist nicht. Die beste Vorkultur sind Kartoffeln oder eine tief wurzelnde Gründüngung wie Lupine, die den Boden schon aufgebrochen haben. Nach Kohl säen wir keine Schwarzwurzeln, danach verzweigen sich die Wurzeln.
Aussaat: Körner legen, nicht stecken
Schwarzwurzeln werden nicht vorgezogen, wie alles Wurzelgemüse kommen sie direkt in die Erde, bei uns von April bis Mai, in milden Lagen ab März. Wir ziehen eine Rille, etwa 2 cm tief, und legen die Körner hinein. Sie sehen aus wie kleine Holzstückchen und sind empfindlich, also behutsam legen, nicht in die Erde drücken. In der Rille liegt alle 1 cm ein Korn, bei älterem Saatgut enger, denn Schwarzwurzelsamen keimen meist nur im ersten Jahr nach der Ernte zuverlässig. Zudecken, angießen, feucht halten. Zwischen den Reihen lassen wir 30 cm Platz.
Bei 10 bis 20 °C dauert die Keimung zwei bis drei Wochen, und solange sieht das Beet leer aus. Ein paar Radieschen in dieselbe Rille markieren die Reihe, sind nach vier Wochen geerntet und stören die Schwarzwurzeln nicht. Beikraut kommt in dieser Zeit konsequent raus, die Keimlinge sind schmal wie Gras und werden schnell überwachsen.
Ausdünnen auf 3 bis 7 cm
Sobald die Pflänzchen ein paar Zentimeter groß sind, ziehen wir die überzähligen heraus, bis zwischen den verbleibenden 3 bis 7 cm liegen. Das fällt schwer, ist aber der wichtigste Handgriff: Zu eng stehende Schwarzwurzeln wachsen zwar, bleiben aber schmal und dünn, und beim Schälen in der Küche entscheidet jeder Zentimeter Dicke. Lieber weniger Pflanzen, die dafür etwas hergeben.
Pflege: Wasser und Mulch, sonst nichts
Schwarzwurzeln mögen es gleichmäßig feucht. Trocknen sie im Sommer aus, stockt das Wachstum, und die Wurzeln werden ungleichmäßig und rissig. Wir mulchen die Beete mit Rasenschnitt oder Stroh und gießen in Trockenphasen. Nachgedüngt wird nicht, der Mittelzehrer kommt mit dem vorbereiteten Beet aus. Schädlinge haben wir an Schwarzwurzeln noch nie gehabt, ein Netz ist unnötig. Im Spätsommer kann Mehltau die Blätter weiß färben, das sieht unschön aus, macht den Wurzeln aber nichts. Die Kultur ist, abgesehen vom Jäten am Anfang, die unkomplizierteste im Garten.
Gute Nachbarn und Fruchtfolge
Schwarzwurzeln stehen gern mit Zwiebeln, Lauch, Bohnen, Kohl, Möhren, Salat und Spinat. Bei uns teilen sie sich das Hochbeet seit Jahren mit Haferwurzeln und Pastinaken, drei Wurzeln, die gleich lang brauchen und zusammen durch den Winter gehen. Als Vorkultur passen Kartoffeln oder Gründüngung, Kohl nicht. Weil die Wurzeln bis März im Beet bleiben, ist die Nachkultur im Frühjahr frei: Erbsen, Dicke Bohnen oder Salat. Auf demselben Beet stehen Schwarzwurzeln erst nach drei bis vier Jahren wieder.
Ernte: von Oktober bis März, mit Geduld
Ab Oktober sind die Wurzeln erntereif, und dann beginnt das Schöne an dieser Kultur: Sie bleiben im Beet und werden nach Bedarf geholt, bis in den März. Frost macht ihnen nichts aus. Damit der Boden nicht zufriert und wir im Januar noch an die Wurzeln kommen, mulchen wir die Reihen im Spätherbst dick mit Stroh. Die Ernte selbst ist die einzige Kunst beim Schwarzwurzelanbau: Die Wurzel reicht tief, und wer am Laub zieht, hält einen abgebrochenen Stummel in der Hand. Wir lockern neben der Reihe tief mit dem Multispaten oder der Grabegabel, bis die Wurzel frei liegt, und ziehen sie dann langsam heraus. Aus der Bruchstelle tritt weißer Milchsaft, das ist normal.
Gelagert wird am besten gar nicht, das Beet ist der Keller. Wer vor einer Frostperiode einen Vorrat holen will, schlägt die ungewaschenen Wurzeln im kühlen Keller in feuchten Sand ein, dort halten sie Wochen. Im Kühlschrank bleiben sie, in ein feuchtes Tuch gewickelt, eine gute Woche frisch.

In der Küche: der Winterspargel
Unter der schwarzbraunen Schale steckt weißes, festes Fleisch mit einem Geschmack zwischen Spargel und Artischocke. Beim Schälen tritt Milchsaft aus, der klebt und die Hände braun färbt, deshalb schälen wir mit Handschuhen oder unter fließendem Wasser mit dem Sparschäler und legen die Stangen sofort in Wasser mit einem Schuss Essig oder Zitrone, sonst werden sie braun. Dann kurz gedämpft oder in Salzwasser gegart, mit brauner Butter, in Rahmsoße, als Pastagericht mit Grünkohl oder Palmkohl, so essen wir sie am liebsten. Einfrieren geht nach dem Blanchieren, geschält und in Stücke geschnitten.

Zweijährig: eigenes Saatgut
Schwarzwurzeln sind zweijährig. Lässt man ein paar Pflanzen über den Winter stehen, treiben sie im zweiten Jahr einen Stängel mit gelben Blüten, aus denen Samen mit Flugschirmen wie beim Löwenzahn werden. Für das eigene Saatgut lassen wir die schönsten Pflanzen stehen, ernten die Samen, sobald die Schirmchen aufgehen, und säen sie noch im selben Jahr oder im nächsten Frühjahr, länger halten sie kaum. Wer im zweiten Jahr lieber die Wurzel ernten will, bricht die Blüte aus, sonst wird die Wurzel holzig.
Typische Probleme und was dahintersteckt
Gegabelte oder verzweigte Wurzeln
Steine, verdichteter Boden, frischer Mist oder Kohl als Vorkultur. Tief lockern, Hochbeet, Kompost statt Mist, nicht nach Kohl.
Dünne Wurzeln
Zu eng, zu spät gesät oder zu trocken. Auf 3 bis 7 cm ausdünnen, bis Mai säen, mulchen und gießen.
Die Saat geht nicht auf
Altes Saatgut oder Trockenheit beim Keimen. Frisches Saatgut nehmen, enger legen, die Rille drei Wochen feucht halten.
Rissige, ungleichmäßige Wurzeln
Wasser kam schubweise. Gleichmäßig feucht halten, mulchen.
Die Wurzel bricht bei der Ernte
Zu wenig gelockert oder am Laub gezogen. Tief neben der Reihe lockern, dann langsam ziehen.
Die Pflanze blüht schon im ersten Jahr
Ein Schosser, meist nach einem Kältereiz bei sehr früher Saat. Die Wurzel ist holzig, Pflanze entfernen und nicht vor April säen.
Weißer Belag auf den Blättern
Mehltau im Spätsommer. Für die Wurzeln ohne Folgen, nichts zu tun.
Unsere Sorte und die Wurzelnachbarn
- Schwarzwurzel Hoffmanns Schwarze Pfahl: mittellange bis lange, festfleischige und trotzdem zarte Wurzeln mit schwarzbrauner Schale. Samenfest und bio, 2 g sind rund 80 Pflanzen.
- Haferwurzel: die hellere Schwester mit violetten Blüten, wächst bei uns in derselben Reihe.
- Multispaten: unser Werkzeug zum Lockern und Ernten langer Wurzeln.
Alle Wurzeln findest du in der Kategorie Wurzelgemüse, die Aussaatzeiten im Aussaatkalender. Warum wir nur samenfestes Saatgut führen, steht im Ratgeber.
Mehr zu Schwarzwurzeln
- Die Beetnachbarn: Pastinaken anbauen und Haferwurzeln zubereiten
- Die anderen Winterwurzeln: Knollensellerie anbauen und Porree anbauen
- Was im Winter sonst noch im Beet steht: Wintergemüse erfreut
Häufige Fragen
Wann Schwarzwurzeln säen?
Von April bis Mai direkt ins Beet, in milden Lagen ab März. Nicht vorziehen.
Wie tief und mit welchem Abstand?
2 cm tief in eine Rille legen, alle 1 cm ein Korn, Reihen 30 cm. Später auf 3 bis 7 cm ausdünnen.
Wie lange dauert die Keimung?
Zwei bis drei Wochen bei 10 bis 20 °C. Die Rille in dieser Zeit feucht halten.
Wann Schwarzwurzeln ernten?
Ab Oktober bis März, nach Bedarf. Nach dem ersten Frost schmecken sie am besten.
Vertragen Schwarzwurzeln Frost?
Ja, sie bleiben den ganzen Winter im Beet. Eine dicke Strohschicht hält den Boden offen für die Ernte.
Wie lagere ich Schwarzwurzeln?
Am besten im Beet. Sonst ungewaschen in feuchtem Sand im kühlen Keller oder eine Woche im Kühlschrank.
Warum sind meine Schwarzwurzeln gegabelt?
Steine, Verdichtung, frischer Mist oder Kohl als Vorkultur. Tief lockern, am besten im Hochbeet anbauen.
Wachsen Schwarzwurzeln im Hochbeet?
Dort am besten, weil die Erde tief und locker ist. Im Topf brauchen sie mindestens 40 cm Tiefe.
Was ist der Unterschied zur Haferwurzel?
Die Haferwurzel hat eine helle Schale und violette Blüten, wird genauso angebaut und schmeckt milder, leicht nach Austern.


