Radicchio und Zuckerhut anbauen: im Juni säen, im Juli pflanzen, von Oktober bis zum Frost ernten

Inhaltsverzeichnis

Radicchio ist der Salat, der im Garten zweimal überrascht: Erst wächst er den ganzen Sommer als unscheinbare grüne Rosette, und dann, wenn die Nächte kühl werden, bildet er innen den leuchtend roten, weiß geaderten Kopf, für den man ihn im Laden teuer bezahlt. Dazu kommt sein Bruder Zuckerhut, der aussieht wie ein zarter Spitzkohl und als einziger Salat ohne Schutz in den Winter geht. Beide sind Zichorien, beide bitter, beide pflegeleicht, und beide füllen genau die Beete, die im Juli frei werden. Hier steht, wie wir Radicchio und Zuckerhut anbauen, warum sie nicht vor Juni gesät werden, woher die rote Farbe kommt, was gegen zu viel Bitterkeit hilft und wie die Ernte bis Weihnachten reicht.

Ein geernteter Radicchio-Kopf mit weinroten, weiß geaderten Blättern liegt zwischen Thymian im Beet
Palla Rossa im Oktober: außen grün gewachsen, innen rot geworden.

Radicchio und Zuckerhut auf einen Blick

AussaatMai bis Juli in Schalen vorziehen, Juli bis Anfang August auch direkt ins Beet. Nicht vor Juni, sonst schießt er
Saattiefe1 cm, zwei bis drei Korn je Topf
Bodentemperatur zum Keimen20 bis 25 °C, Keimdauer eine Woche
Pikierenja, oder auf eine Pflanze je Topf vereinzeln
Pflanzungfünf bis sechs Wochen nach der Aussaat, Radicchio 40 x 40 cm, Zuckerhut 40 x 30 cm
KulturdauerRadicchio rund 80 Tage ab Pflanzung, Zuckerhut rund 16 Wochen ab Aussaat
ErnteEnde September bis November, Zuckerhut bis in den Dezember
Standortvollsonnig, auch im Herbst, lockerer Boden
NährstoffbedarfSchwach- bis Mittelzehrer, nach Bohnen ohne Dünger, nach Kohl etwas Kleedünger
FrostRadicchio verträgt leichte Fröste, Zuckerhut etwa −5 °C, Kälte macht beide milder
Saatgutmenge0,15 g Radicchio oder 0,3 g Zuckerhut sind rund 100 Pflanzen

Radicchio, Zuckerhut und Chicorée: eine Familie

Alle drei sind dieselbe Art, die Wegwarte, die blau am Straßenrand blüht. Der Radicchio vom Typ Palla Rossa bildet einen runden, festen Kopf, außen grün, innen weinrot mit weißen Rippen, feinherb im Geschmack und gut lagerfähig. Der Zuckerhut wächst als hoher, spitzer Kopf aus hellgrünen, zarten Blättern, der an einen kleinen Spitzkohl erinnert, schmeckt würzig-nussig und verträgt mehr Frost als jeder andere Salat. Der Chicorée wird aus Wurzeln im Keller getrieben, das ist eine andere Geschichte. Für den Garten sind Radicchio und Zuckerhut das ideale Paar: dieselbe Aussaat, dieselbe Pflege, und zusammen gibt es von Oktober bis Weihnachten frischen Salat aus dem Beet.

Aussaat: nicht vor Juni

Radicchio und Zuckerhut sind Langtagpflanzen wie der Spinat: Werden sie zu früh gesät, schießen sie im Sommer in die Blüte, statt Köpfe zu bilden. Deshalb beginnen wir frühestens Ende Mai und säen bis Mitte Juli, meist Mitte Juni, wenn die Multitopfplatten von den Sommerkulturen frei sind. Gesät wird in normale Aussaaterde, zwei bis drei Korn je Topf, 1 cm tief, angedrückt und angegossen. Bei 20 bis 25 °C keimen sie in einer Woche, die Platte steht dafür im Sommer draußen und wird feucht gehalten, und sobald die Keimlinge da sind, kommt sie in die volle Sonne. Wo mehrere Keimlinge stehen, wird vereinzelt oder in leere Töpfe umgesetzt, bis jede Pflanze Platz hat. Die überzähligen Sprösslinge essen wir, sie schmecken schon nach Radicchio. Wer kein Vorziehen mag, sät ab Juli direkt ins Beet in Reihen und vereinzelt später auf den Endabstand.

Pflanzen: ins freie Sommerbeet

Fünf bis sechs Wochen nach der Aussaat sind die Jungpflanzen stattlich und kommen ins Beet, bei uns ins Hochbeet, wo gerade früher Kohl, Dicke Bohnen, Salat, Erbsen oder Frühkartoffeln geerntet sind. Was die Vorkultur übrig ließ, entscheidet über den Dünger: Nach Bohnen und Erbsen bekommt das Beet nichts, nach Kohl arbeiten wir eine Handvoll Kleedünger ein. Viel wichtiger als der Dünger ist der Platz: Radicchio braucht volle Sonne, denn im Herbst werden die Tage kurz, und dann zählt jeder Sonnenstrahl. Der Abstand ist großzügiger als bei Salat, denn die Köpfe werden groß: Radicchio 40 x 40 cm, Zuckerhut 40 x 30 cm. Gepflanzt wird so tief wie im Topf, angegossen und mit Grasschnitt gemulcht. Der Mulch hält die Feuchtigkeit, füttert das Bodenleben und liefert beim Zersetzen den einzigen Stickstoff, den die beiden brauchen.

Eine Radicchio-Pflanze im Beet mit grünen Außenblättern, in der Mitte beginnt der rote Kopf
September: Außen grün, in der Mitte schließt sich der rote Kopf.

Pflege: fast nichts

Eher wenig gießen, damit nichts fault, im Hochbeet trotzdem ein Auge auf die Feuchtigkeit haben, Mulch nachlegen, Schnecken absammeln, das ist alles. Krankheiten kennen wir kaum, und die Bitterstoffe halten die meisten Fraßfeinde fern, nur Schnecken stört das nicht. Zwischen den großen Pflanzen bleibt im August noch Platz für eine Reihe Radieschen oder Feldsalat. Gute Nachbarn sind Borretsch, Dill, Gurken, Fenchel, Kohl und Schnittlauch, weniger gut Petersilie, Radieschen und Sellerie. Als Nachkultur passt Radicchio nach allem, was im Juli abgeräumt wird, und nach ihm kommt im Dezember nichts mehr, das Beet ruht bis zum Frühjahr.

Woher die rote Farbe kommt

Im Sommer sieht Radicchio aus wie ein grüner Blattsalat, und wer dann enttäuscht ist, muss nur warten. Die rote Farbe entsteht im Inneren des Kopfes, wenn die Nächte im September kühl werden: Die äußeren Blätter bleiben grün, innen schließt sich der feste, weinrote Kopf. Je kälter der Herbst, desto intensiver die Farbe und desto milder der Geschmack. Deshalb ernten wir Radicchio nicht im September, sondern warten bis Oktober, auch wenn die Köpfe schon fest sind.

Ernte: Oktober bis zum Frost

Geerntet wird, sobald sich der Kopf fest anfühlt, je nach Aussaat ab Ende September, bei uns meist im Oktober. Wir schneiden ihn mit dem Messer über dem Boden ab, brechen die grünen, sehr bitteren Außenblätter weg und nehmen nur den roten Kopf mit ins Haus. Die Außenblätter bekommen bei uns die Hühner, die lieben sie, und so bleibt der Kreislauf geschlossen. Radicchio darf im Beet stehen bleiben, bis die ersten starken Fröste kommen, leichte Nachtfröste schaden ihm nicht. Im Kühlschrank hält der Kopf in ein Tuch gewickelt zwei bis drei Wochen, im kühlen Keller mit Wurzel länger. Wer nur blattweise erntet und das Herz stehen lässt, kann auch zweimal durchgehen, aber der Kopf wird dann kleiner.

Zuckerhut: der Wintersalat

Der Zuckerhut wird genauso gesät und gepflanzt wie Radicchio, braucht aber länger: rund 16 Wochen von der Aussaat bis zum Kopf. Gesät im Juni, gepflanzt im Juli, steht er im Oktober fertig und bleibt einfach draußen. Leichte Fröste verträgt er ohne Schutz, kühle Nächte machen ihn sogar milder und süßer, und unter einem Vlies hält er bis Weihnachten im Beet. Vor einem harten Frost ernten wir die restlichen Köpfe mit Wurzel und stellen sie in eine Kiste mit Sand in den kühlen Keller, dort halten sie mehrere Wochen. Die Blätter sind zarter als beim Radicchio, hellgrün bis gelb, und innen fast weiß. Ein einziger Kopf wiegt gern ein Kilo und reicht für die ganze Familie.

Ein hoher, spitzer Zuckerhut-Kopf mit hellgrünen, dicht anliegenden Blättern
Zuckerhut im November: ein Kopf, ein Kilo, bis Weihnachten im Beet.

Zu bitter? So wird er milder

Die Bitterkeit ist beim Radicchio kein Fehler, sondern das Prinzip, trotzdem kann man sie steuern. Erstens die Kälte: Nach den ersten kühlen Nächten schmecken Radicchio und Zuckerhut deutlich milder, deshalb nicht zu früh ernten. Zweitens die Außenblätter: Sie sind am bittersten und kommen weg. Drittens die Küche: In Streifen geschnitten und zehn Minuten in lauwarmes Wasser gelegt, verliert Radicchio einen Teil der Bitterstoffe, und ein süßes Dressing mit Honig oder Agavendicksaft, Fruchtessig und Nussöl gleicht den Rest aus. Gegrillt oder im Risotto wird er sogar süßlich. Und mit dünn gehobelter roher Roter Bete, Äpfeln, Nüssen oder Orangen gemischt, nimmt die Süße der Partner dem Zuckerhut die Dominanz.

Ein Teller Wintersalat aus Zuckerhut mit roher Roter Bete, Sauerkraut und Hanfsamen
Dezember: Zuckerhut mit roher Roter Bete, Senfdressing und Hanfsamen.

Typische Probleme und was dahintersteckt

Die Pflanzen schießen im Sommer

Zu früh gesät. Lange Tage lösen die Blüte aus, deshalb nicht vor Ende Mai säen, am besten Mitte Juni.

Kein roter Kopf, nur grüne Blätter

Zu früh geschaut. Der Kopf schließt sich erst mit den kühlen Nächten im September, die Farbe kommt im Oktober.

Lockere, kleine Köpfe

Zu eng gepflanzt oder zu trocken. 40 cm Abstand, mulchen, in Trockenphasen gießen.

Angefressene Jungpflanzen

Schnecken. Kräftige Setzlinge pflanzen, Bretter auslegen und absammeln, später hilft die Bitterkeit.

Alles viel zu bitter

Zu früh geerntet oder Außenblätter mitgegessen. Erste Fröste abwarten, nur den Kopf nehmen, in lauwarmem Wasser wässern.

Fäulnis im Kopf nach Regen

Nässe im Herbst. Größerer Abstand, morgens gießen, reife Köpfe bei Dauerregen ernten und im Keller lagern.

Unsere Sorten

Beide samenfest und bio, ein Tütchen reicht für rund 100 Pflanzen.

  • Radicchio Palla Rossa: runder, fester Kopf, leuchtend rot mit weißen Adern, einheitliche Reife, gut lagerfähig. 80 Tage ab Pflanzung.
  • Zuckerhut: hoher, spitzer Kopf, würzig-nussig, verträgt leichte Fröste und lagert im Keller mehrere Wochen. 16 Wochen ab Aussaat.
  • Endiviensalat Wallonne: der dritte Herbstsalat, mild und fein gekraust, mit eigener Anleitung.

Alle Salate und Blattgemüse findest du in der Kategorie Blattgemüse, die Aussaatzeiten im Aussaatkalender. Warum wir nur samenfestes Saatgut führen, steht im Ratgeber.

Mehr zu Herbstsalaten

Häufige Fragen

Wann Radicchio säen?

Von Ende Mai bis Mitte Juli vorziehen, bei uns meist Mitte Juni. Früher gesät schießt er, später wird der Kopf vor dem Winter nicht fertig.

Wann Radicchio pflanzen und mit welchem Abstand?

Fünf bis sechs Wochen nach der Aussaat, von Juni bis Anfang August, mit 40 x 40 cm. Zuckerhut mit 40 x 30 cm.

Kann ich Radicchio direkt säen?

Ja, von Juli bis Anfang August in Reihen ins Beet, dann auf 40 cm vereinzeln. Vorgezogene Pflanzen sind bei Schnecken im Vorteil.

Warum ist mein Radicchio grün statt rot?

Die Farbe entsteht im Inneren des Kopfes mit den kühlen Nächten im Herbst. Die Außenblätter bleiben grün und werden abgebrochen.

Wann Radicchio ernten?

Ab Ende September, wenn der Kopf fest ist, bis zu den ersten starken Frösten. Je später, desto milder.

Wie lagere ich Radicchio und Zuckerhut?

Radicchio in ein Tuch gewickelt zwei bis drei Wochen im Kühlschrank. Zuckerhut mit Wurzel in Sand im kühlen Keller mehrere Wochen.

Übersteht Zuckerhut den Winter?

Leichte Fröste ja, etwa bis −5 °C, unter Vlies bis Weihnachten im Beet. Vor einem harten Frost ernten und einlagern.

Was tun gegen die Bitterkeit?

Erst nach den ersten kühlen Nächten ernten, Außenblätter weg, in lauwarmem Wasser wässern, süß und mit Fruchtessig anmachen oder grillen.

Wächst Radicchio im Hochbeet oder Topf?

Im Hochbeet sehr gut, bei uns steht er dort jedes Jahr nach den Erbsen. Im Topf ab 10 Liter je Pflanze, halbschattig und gleichmäßig feucht.

Welche Nachbarn mag Radicchio?

Borretsch, Dill, Gurken, Fenchel, Kohl und Schnittlauch. Weniger gern Petersilie, Radieschen und Sellerie.

Weitere Beiträge

Anbau-Lexikon

Basilikum anbauen: ab April warm vorziehen, als Lichtkeimer nur andrücken, nach den Eisheiligen zu den Tomaten pflanzen, über dem Blattpaar ernten, aus Stecklingen vermehren

Basilikum gehört zu den Kräutern, bei denen sich der eigene Anbau am deutlichsten lohnt: Ein Topf aus dem Supermarkt hält zwei Wochen, eine selbst gezogene Pflanze im Gewächshaus oder Beet liefert von Juni bis Oktober ganze Bünde, für Pesto, Caprese und Tomatensoße. Dafür will Basilikum drei Dinge, und zwar genau in dieser Reihenfolge: Wärme beim Keimen, Nährstoffe nach dem Pikieren und einen Schnitt, der ihn buschig macht statt kahl. Wer

WEITERLESEN »
Fenchel spät
Anbau-Lexikon

Fenchel anbauen: von Ende Februar bis August satzweise säen, nicht pikieren, 30 cm Abstand, volle Sonne, nach 12 bis 14 Wochen ernten

Fenchel ist eines dieser Gemüse, die im Garten besser schmecken als gekauft: Die Knolle ist knackig, süßlich und schmeckt nach Anis, das feine Grün würzt Salat und Suppe, und selbst die Blüten sind essbar. Der Anbau hat zwei Eigenheiten, die man kennen sollte. Erstens mag Fenchel keine Umzüge, deshalb wird er bei uns nicht pikiert. Zweitens ist sein Erntefenster kurz, nur ein bis zwei Wochen steht die Knolle perfekt, danach

WEITERLESEN »
Jen hält einen hohen, schlanken Chinakohl Granat mit hellgrünem Kopf und weißen Rippen vor dem Beet
Anbau-Lexikon

Chinakohl anbauen: nach der Sommersonnenwende säen, im August pflanzen, von September bis Dezember ernten, mit Pak Choi und Asiasalaten

Chinakohl ist der Kohl für Leute, die keinen Kohl mögen: zart, knackig, mild, roh im Salat so gut wie in der Pfanne, und aus dem eigenen Beet schmeckt er aromatischer und kräftiger als jeder Kopf aus dem Supermarkt. Der Trick liegt im Kalender. Chinakohl wird erst nach der Sommersonnenwende gesät, sonst schießt er statt einen Kopf zu bilden, und er hat es eilig: zehn bis zwölf Wochen von der Saat

WEITERLESEN »