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Saatgutvermehrung, Interview mit Nils

Letztens haben wir noch zusammen hier Rösti gemacht und jetzt kommt nun auch das Video zu unserem Interview, das wir im Sommer im Rigottiland gemacht haben. Ich durfte den Nils mit Fragen löchern ; )

Was ist ein FÖJ?

Nils berichtet uns über sein freiwilliges ökologisches Jahr, das in jedem Bundesland etwas anders und mit verschiedenen Trägern geregelt ist. Er empfiehlt es nach, eine gute Erfahrung, die nach der Schule eine potentielle Alternative zu anderen Wegen darstellen kann. https://foej.de/traeger

Nils von Saatenvielfalt, hier kommt ihr zu seinem Kanal:

https://www.youtube.com/watch?v=nBL4_7gr5Fs
Nils im GGK
Über Saatgut

Nils war auf dem Demterbetrieb Dottenfelder Hof, bei Frankfurt in Hessen.

Tomaten, Zuckermais und Kopfkohl züchten

Nils hat Erfahrungen in seinem FÖJ sammeln dürfen. Um Saatgut zu vermehren, gibt es einiges zu beachten und zu lernen. Nils erzählt von der Freilandzüchtung, von Merkmalauslese und Auswahl von Saatgut. Die Kraut- und Braunfäule wird ganz bewusst herbeigeführt, um zu schauen welche Pflanzen besonders resistent sind – dieses Saatgut wird ausgewählt.

Tomaten sortenrein vermehren

Relativ strenge Selbstbefruchter, aber es gibt natürlich Ausnahmen. Nils spricht von ca. 95 % Selbstbefruchtung. Er betont die Unberechenbarkeit der Natur, die auch gleichzeitig seine Achtung vor ihr ausdrückt. Um sie sortenrein zu vermehren, dient ein Isolationstunnel (ein großer Planwagen), der fremde Bestäubung ausschließt. Bei zwei Sorten reicht dennoch ein Tunnel, die einen stehen drunter, die andern draußen. Offen abblühen (Fremdpollen der gleichen Sorten) macht die Saat und Sorte stabiler. Wenn Sorten gezüchtet werden, auf ein Ziel hin gearbeitet wird, macht es Sinn mehrere Pflanzen einer Sorte zusammen stehen zu haben, ein Fremdbestäubung der gleichen Sorte, erneuert den Genpool und macht sie gesünder. Die Philamina hat uns absolut überzeugt, die haben wir bei uns im Sortiment.

Züchtung, Erhaltungszucht, Vermehrungszucht

Da gibt es die Züchter, die neue Ziele verfolgen; da gibt es die Erhaltungstüchter, die eine Sorte am Leben erhalten und dann gibt es die Vermehrungszüchter, die Saatgutmenge produzieren und diese zur Verfügung stellen. Kultursaat ist in dem Thema ein interessanter weiterer Surfpunkt:

Interview mit Michael Fleck vom Verein Kultursaat

Tomatensaatgut gewinnen in Masse

Wie geht das? Nils erklärt es uns im Interview ganz genau wie es geht. Er hat aber auch schon Videos dazu gemacht, wie dieses hier:

Saatgut gewinnen

Im Interview sprachen wir von der Reinigung von Saatgut. Wir hatten die Chance Einblicke zu bekommen und das Video aus der Reinigung ist dieses hier:

Saatgutreinigung

Alte und neue Sorten, was meint Nils?

Alte Sorten sind nicht unbedingt für den Erwerbsanbau brauchbar, dennoch haben sie ihre absolute Berechtigung, allein schon vom Geschmack her. Im biologischen, ökologischen Bereich wird gezüchtet und da gibt es noch Ausbaubedarf. Die gelbe kleine Tomate aus dem Rigottigarten haben Thomas und Florian benannt, in diesem Video hier:

Tomatentalk 1/2

Tomaten züchten, wie geht das?

Tomaten im Hobbygarten zu züchten kann eine Menge Spaß über Jahre bringen! Was brauchen wir in 15 Jahren an Tomaten? Diese Zukunftsperspektive macht es zusätzlich schwierig. Widerstandsfähig, robust und dennoch schmackhaft und homogen, samenfest, biologisch – viel Arbeit, die sich lohnt! Real sind es eher 15 bis 20 Jahre eine neue Sorte zu entwickeln. Wer vererbt denn was? Nils sagt uns: Die Grenzen sind fließend, probieren und auslesen. Interessant dabei ist vielleicht noch der Begriff F1. Allein das F steht für Filia (Filialgeneration)und die Zahl für das Jahr. F3 wäre dann die gekreuzte Saat im 3. Anbaujahr. Der Unterschied liegt bei dem Wort Hybrid. Zu dem Thema haben wir oben das Video von Nils verlinkt. Oft haben sich Haussorten gekreuzt und über die Jahre stabilisiert. Im Hobbygarten ist ein offenes Spielfeld da.

Medien und Bücher für die kalte Jahreszeit

Sorten sind Kulturgut – Kultursaat

Gemüsezüchtung heißt nicht automatisch F1-Hybriden! Sorten sollten für alle zugänglich sein. Gemüsezüchtung gibt es konventionell, mit und ohne Gentechnik, aber eben auch ökologisch. Züchtungsprogramme von dem Verein Kultursaat werden auf bestehenden ökologischen Standorten (z.B. Erwerbsgemüseanbau) umgesetzt. Es gibt die Züchtungsforschung und natürlich gibt es auch die Erhaltungszüchtung (Erhaltung des Elitesaatgutes) sowie die Vermehrungszucht.

»Saatkörner sind keine Schrauben, die wir in den Schrank legen können« Saatgut muss erhalten werden und zwar unter immer neuen Bedingungen, die Umgebung verändert sich.

Neuzüchtungen ökologisch?

Nostalgische Betrachtungen implizieren die menschliche Sehnsucht – früher war alles besser. Manches Mal mag das so sein, manches mal wirkt es eher verklärt. Die Suche nach den guten alten Sorten ist allgegenwärtig und gut. Dennoch ist ein Blick in die ökologischen Neuzüchtungen sinnvoll. Hier ist es wichtig zu sehen, wie die Sorten weiterentwickelt werden, um sie auch heute erfolgreich aufstellen zu können, nicht nur für den Hobbygarten.

Züchtungsziele, Kreuzung im Hobbygarten

Geschmack, Einheitlichkeit, besondere Merkmale die zufällig auftreten. Die Tomate und die Bohne sind Selbstbestäuber, bei der Tomate ist es einfacher züchterisch einzugreifen. Hier ist eine Fremdbestäubung durchaus eher machbar. Fruchtertrag lässt sich hier z.B. durch den Einsatz von Hummeln erhöhen. Will der Hobbygärtner selbst kreuzen, so kann er die noch nicht geöffnete Blüte öffnen und mit dem gewünschten Pollen der anderen Sorte über einen Pinsel übertragen. Anschließend eine Tüte drüber, um eine weitere Fremdbestäubung zu verhindern (Saatgut verhütet lesen wir dann im Hobbygarten). Fremd, -Windbestäuber, Selbstbestäuber – was wird wie vererbt und worauf muss geachtet werden? Das sind züchterische Fragen, die gestellt werden. Im Jahre 2019 waren es bereits über 80 Sorten, die gezüchtet worden sind. Die jüngste Züchterin ist sogar erst 30 Jahre jung. Eine Erfolgsgeschichte, die weitergehen soll.

Sortenprüfung konventionell?

Die Zulassung über das Bundessortenamt scheint kompliziert zu sein. In Deutschland gibt es nur noch eine Zulassungsstelle. Die Bedingungen sind ggf. total anders. Außerdem sind die Anbaubedingungen konventionell für ökologische Saatgut schwierig. Samenfestes Saatgut ist wohl auch nicht der Standard. Prüfungen dauern Zeit und sind kommunikativ eine Herausforderung. Vergleichssorten und Prüfmerkmale werden festgelegt für die Prüfung und Zulassung.

Möchtest du züchten? Die Sache unterstützen?

Hast du das Interesse am Thema? Sei es politischer oder biologischer Herkunft, schau unbedingt mal bei Kultursaat vorbei, es könnte sehr interessant werden! Denkst du diese Arbeit verdient Unterstützung? Hier geht es zur Homepage des Vereins:

https://www.kultursaat.org

https://www.kultursaat.org/zuechtung/gemuese-mit-charakter/motivation/

https://www.kultursaat.org/aktuell/einzelansicht/news/gemuesezuechten-fuer-anfaenger/?no_cache=1&cHash=6e32b76527a0b21cae5e1d6c8186f020

Danke an dich, lieber Michael Fleck für deine Zeit, dein Wissen und die vielen spannenden Umstände. Danke für deine/eure wertvolle Arbeit!

Saatgutretter – der Film

https://www.swr.de/natuerlich/die-saatgutretter/-/id=100810/did=21691690/nid=100810/9vl4zr/index.html