Dicke Bohnen anbauen: ab Februar vorziehen, ab Juni ernten, im Sommer noch einmal

Inhaltsverzeichnis

Dicke Bohnen sind die erste Aussaat des Gartenjahres, für die wir kein Kunstlicht brauchen: Ende Februar in Töpfchen, Anfang April ins Beet, ab Mitte Juni die ersten Hülsen. Die Puffbohne, Saubohne oder Ackerbohne, wie sie je nach Region heißt, ist genau genommen keine Bohne, sondern eine Wicke. Deshalb mag sie es kühl, verträgt leichte Fröste und darf sogar roh genascht werden. Hier steht, wie wir Dicke Bohnen anbauen, warum wir sie vorziehen statt direkt zu säen, wie wir im Sommer eine zweite Runde für den Herbst starten und was es mit der Aussaat im Herbst auf sich hat, nach der so viele suchen.

Aufgeplatzte Hülsen und ein Sieb voller frisch ausgepalter Dicker Bohnen im Gras
Ernte im Juni: Aus den weich gepolsterten Hülsen kommen die hellgrünen Kerne.

Dicke Bohnen auf einen Blick

AussaatFebruar im Haus vorziehen, Ende Februar bis März direkt ins Beet, Juli für die Herbsternte
Saattiefe5 bis 8 cm im Beet, 3 bis 5 cm im Töpfchen
Bodentemperatur zum Keimen8 bis 15 °C, Keimdauer zwei bis drei Wochen
Pikierennein, ein Korn je Töpfchen
PflanzungAnfang April, 10 cm in der Reihe, Reihen 60 cm
Kulturdauer12 bis 14 Wochen ab Aussaat
ErnteMai bis Juli, zweite Runde September bis Oktober
Standortsonnig, gleichmäßig feucht
NährstoffbedarfSchwachzehrer, kein Dünger
FrostJungpflanzen vertragen leichte Fröste
Saatgutmenge40 g sind rund 25 Korn, das reicht für eine Reihe von zweieinhalb Metern

Vorziehen statt Direktsaat: warum wir es so machen

Man könnte Dicke Bohnen ab Ende Februar direkt ins Beet legen, sie keimen schon bei 8 °C. Wir machen es trotzdem nicht, aus zwei Gründen: Im Februar ist der Boden oft so nass, dass ein Teil der Körner fault, und dann hat das Beet Lücken. Und meistens sind unsere Beete um diese Zeit schlicht noch nicht fertig. Also ziehen wir vor, von Mitte Februar bis Anfang März, wer will, schon ab Ende Januar.

Dafür brauchen wir weder Aussaaterde noch Licht: Töpfchen von 8 oder 9 cm, normale Gartenerde, ein Korn je Topf, 3 bis 5 cm tief hineingedrückt, angießen. Die Kisten stehen im Keller bei 8 bis 15 °C, denn bis zur Keimung braucht die Bohne nur Feuchte und Kühle. Alle zwei Tage schauen wir nach. Sobald ein Korn gekeimt ist, wandert der Topf in eine zweite Kiste, und die geht ins ungeheizte Gewächshaus oder unters Carportdach, denn jetzt ist Licht nötig. Nach zwei bis drei Wochen ist alles gekeimt, was keimen will. Der Nebeneffekt ist der eigentliche Grund: Wir setzen nur die kräftigsten Pflanzen ins Beet, lückenlos und in genau dem Abstand, den wir wollen.

Einweichen über Nacht beschleunigt die Keimung ein wenig, nötig ist es nicht. Wer direkt sät, legt die Körner 5 bis 8 cm tief und 10 cm auseinander in Reihen mit 60 cm Abstand und steckt ein paar Körner extra ans Reihenende, um Lücken später zu stopfen.

Pflanzen: Anfang April, tiefer setzen, leicht anhäufeln

Anfang April kommen die Jungpflanzen ins Beet, ein bisschen Frost macht ihnen nichts. Vorher standen dort Pastinaken oder Schwarzwurzeln, gern auch Starkzehrer wie Freilandtomaten, denn Dicke Bohnen brauchen keinen Dünger und nehmen ein ausgezehrtes Beet nicht übel. Mit dem Zwiebelstecher oder einer kleinen Schaufel formen wir ein Loch, setzen die Pflanze etwas tiefer als im Topf und häufeln leicht an. Das gibt dem hohen Stängel Halt. Abstand 10 cm in der Reihe, 60 cm zwischen den Reihen, dann kräftig angießen.

Der Standort sollte sonnig sein. Je schattiger, desto länger wächst die Pflanze nach oben und desto eher knickt sie um. Und sie mag es feucht: In einem trockenen Frühjahr gießen wir regelmäßig und mulchen gleich nach dem Pflanzen mit Rasenschnitt, damit die Feuchtigkeit im Boden bleibt.

Pflege: Wasser, Mulch, eine Schnur bei Wind

Mehr als Wasser und Mulch braucht die Dicke Bohne nicht. Gedüngt wird das ganze Jahr nicht, als Leguminose holt sie sich ihren Stickstoff mit Knöllchenbakterien aus der Luft. Anfang bis Mitte Mai blüht sie, weiß mit einem schwarzen Fleck, und die Hummeln sind sofort da. Werden die Pflanzen über einen Meter hoch oder steht das Beet windig, spannen wir links und rechts der Reihe eine Schnur zwischen Stäbe, im Sommer mit seinen Gewittern sowieso. Sobald die untersten Hülsen angesetzt haben, kann man die Triebspitzen abknipsen: Die Pflanze steckt ihre Kraft dann in die Hülsen, und die Schwarze Bohnenlaus verliert ihren Lieblingsplatz.

Ernte: ab Mitte Juni, frisch, roh oder in den Froster

Mitte Juni bis Juli ist es so weit. Die Hülsen sind erntereif, wenn sie prall sind und die Kerne darin gut fühlbar, aber noch hellgrün. Innen sind die Hülsen weich gepolstert wie ein Kissen, ausgepalt wird am Küchentisch. Die ersten Bohnen essen wir meistens roh direkt am Beet. Das ist bei der Wicke anders als bei Gartenbohnen unbedenklich, nur wer an Favismus leidet, muss Dicke Bohnen ganz meiden.

Frisch kommen die Kerne mit Haut in die Pfanne, mit Tomatensoße, gebratener Paprika oder in einen Eintopf mit Mais. Wer die Haut nicht mag, blanchiert die Kerne kurz, dann flutschen sie heraus. Zum Einfrieren machen wir es wie bei Erbsen: auspalen, ohne Blanchieren in den Beutel, fertig. Trocknen geht auch, dann bleiben die Hülsen an der Pflanze, bis sie dunkel und trocken sind. Im Sommer 2014 haben wir insgesamt 4,6 kg Hülsen geerntet, und die Bohne ist es wert: Sie liefert reichlich Eiweiß, Ballaststoffe und Folsäure bei gerade einmal 65 Kalorien auf 100 g.

Nach der Ernte schneiden wir die Pflanzen ab und lassen die Wurzeln in der Erde. Die Knöllchen daran sind der Dünger fürs nächste Gemüse: Winterporree, Zwiebelgemüse oder später Blumenkohl, Brokkoli und Kohlrabi ziehen direkt ein, es sei denn, im Jahr davor stand schon Kohl auf dem Beet.

Ein Haufen frisch geernteter Hülsen der Dicken Bohne auf grauen Holzdielen
Juli 2014: Hülsen von einer Aussaat Ende Februar, insgesamt 4,6 kg.

Zweite Runde: im Sommer säen, im Herbst ernten

Weil wir Dicke Bohnen so gern essen, bauen wir sie ein zweites Mal an. Ende Juni oder im Juli säen wir wieder in Kisten vor, zwei bis drei Wochen bevor das Beet frei wird, bei uns meist das Knoblauchbeet. Die Kisten stehen im Schatten, denn bei Sommerhitze keimt die Wicke unwillig, und die Erde muss feucht bleiben. Gepflanzt wird nach der Knoblauchernte, wieder tiefer gesetzt, kräftig angegossen und gemulcht. Im Sommer 2018 standen sie enger als im Frühjahr, 20 cm in der Reihe und 30 cm zwischen den Reihen, das hat gut funktioniert.

Im Sommer wachsen die Pflanzen deutlich schneller. Was sie brauchen, ist Wasser und bei Gewittern eine Schnur, damit sie nicht umkippen. Geerntet haben wir Mitte September die erste Runde und zwei Wochen später die zweite, mit Erträgen wie im Frühjahr. Und wieder bleiben die Wurzeln im Beet, für das Wintergemüse oder die Gründüngung danach.

Dicke Bohnen im Herbst säen und überwintern?

Viele fragen, ob man Dicke Bohnen wie in England schon im Oktober oder November säen kann. Dort, im milden Seeklima, ist das üblich: Die Pflanzen überwintern klein, wachsen im Frühjahr sofort los und tragen zwei, drei Wochen früher als eine Frühjahrssaat. Möglich ist das bei uns in Weinbaulagen und geschützten Gärten, mit Vlies bei strengem Frost, denn junge Pflanzen halten etwa minus fünf bis minus zehn Grad aus, nicht mehr. Bleibt der Winter nass, faulen die Körner im Boden. Uns ist das Risiko zu groß, und der Vorsprung ist klein: Mit der Voranzucht im Februar sind wir ohne Wintersorgen fast genauso früh dran. Wer es probieren will, nimmt eine geschützte Ecke und sät im Februar sicherheitshalber nach.

Gute Nachbarn und Fruchtfolge

Dicke Bohnen stehen gern mit Kohlrabi, Kartoffeln, Tomaten, Spinat, Gurken und Sellerie, und unser später Blumenkohl liebt ihr Beet als Nachkultur. Nicht in die direkte Nachbarschaft gehören Erbsen, Lauch, Fenchel, Knoblauch und Zwiebeln. Auf demselben Beet sollten Dicke Bohnen erst nach drei bis vier Jahren wieder stehen, wie alle Hülsenfrüchte. Wer sie nicht essen mag, kann sie trotzdem anbauen: gehäckselt und liegen gelassen sind sie ein Gründünger, der Stickstoff bringt und den Boden lockert.

Typische Probleme und was dahintersteckt

Die Körner faulen oder keimen nicht

Zu nass und zu kalt. Genau deshalb ziehen wir im Keller vor und halten die Töpfe feucht, nicht nass.

Schwarze Läuse an den Triebspitzen

Die Schwarze Bohnenlaus kommt ab Mai. Früh gesäte Pflanzen haben dann schon Hülsen, dann ist sie lästig, aber nicht ernteschädigend. Bei später Saat kann sie die Ernte kosten. Triebspitzen abknipsen, Marienkäfer fördern, im Notfall mit dem Wasserstrahl abspülen.

Die Pflanzen kippen um

Zu schattig oder zu windig. Sonniger Platz, beim Pflanzen anhäufeln und ab einem Meter Höhe eine Schnur spannen.

Braune Flecken auf Blättern und Hülsen

Die Schokoladenfleckenkrankheit, ein Pilz in feuchten Jahren. Weiter Abstand und ein luftiger Standort bremsen ihn, die Kerne lassen sich trotzdem essen.

Blüten, aber keine Hülsen

Hitze und Trockenheit während der Blüte oder zu wenig Hummeln. Gießen hilft, und ein Garten mit Blüten drumherum auch.

Löcher in den getrockneten Kernen

Der Bohnenkäfer hat seine Eier an die jungen Hülsen gelegt. Für die Küche sind die Kerne nichts mehr, als Saatgut keimen sie meist trotzdem. Wer Saatgut nimmt, legt es nach dem Trocknen eine Woche in den Froster.

Eigenes Saatgut gewinnen

Dicke Bohnen sind dankbar für die eigene Vermehrung. Die schönsten, gesündesten Pflanzen lassen wir stehen und ernten sie nicht, bis die Hülsen trocken und dunkel sind. Dann auspalen, die Kerne noch zwei Wochen trocken nachlagern und kühl und dunkel aufbewahren. Weil Hummeln fleißig fremdbestäuben, sollte nur eine Sorte im Garten blühen, wenn das Saatgut sortenrein bleiben soll. Genau das ist der Sinn von samenfestem Saatgut: einmal kaufen, jedes Jahr wieder aussäen.

Ausgepalte Dicke Bohnen mit grünen Keimspitzen in einer weißen Schale
Ausgepalt und blanchiert: So kommen die Kerne bei uns in Pfanne und Froster.

Unsere Sorte: Dicke Bohne Ratio

Die Dicke Bohne Ratio ist mittelfrüh und starkwüchsig, blüht weiß und bildet lange, grüne Hülsen mit vier bis neun Kernen. Ein Tütchen enthält 40 g, das sind rund 25 Korn, genug für eine Reihe von zweieinhalb Metern. Es ist genau die Sorte aus den Videos. Mehr Hülsenfrüchte, von der Zuckererbse bis zur Trockenbohne, stehen in der Kategorie Hülsenfrüchte, die Aussaatzeiten aller Sorten im Aussaatkalender. Warum wir nur samenfestes Saatgut führen, steht im Ratgeber.

Mehr zu Dicken Bohnen

Häufige Fragen

Wann Dicke Bohnen säen?

Vorziehen von Mitte Februar bis Anfang März, Direktsaat von Ende Februar bis März. Für eine zweite Ernte im Herbst noch einmal Ende Juni bis Juli.

Wie tief und mit welchem Abstand?

Im Beet 5 bis 8 cm tief, im Töpfchen 3 bis 5 cm. In der Reihe 10 cm, zwischen den Reihen 60 cm.

Muss ich Dicke Bohnen vorziehen?

Nein, aber es lohnt sich: keine Lücken durch faulende Körner, nur die kräftigsten Pflanzen im Beet, und das Beet muss im Februar noch nicht fertig sein.

Muss ich die Körner einweichen?

Kann man, muss man nicht. Über Nacht in Wasser keimen sie etwas schneller.

Brauchen Dicke Bohnen eine Rankhilfe?

Nein, sie ranken nicht. Ab einem Meter Höhe oder bei Wind hilft eine Schnur links und rechts der Reihe.

Wann Dicke Bohnen ernten?

Ab Mitte Juni bis Juli, wenn die Hülsen prall und die Kerne hellgrün sind. Die Sommeraussaat trägt im September und Oktober.

Kann man Dicke Bohnen roh essen?

Ja, junge Kerne in kleinen Mengen. Anders als Gartenbohnen enthalten sie kein Phasin. Ausnahme: Wer Favismus hat, meidet sie ganz.

Kann man Dicke Bohnen im Herbst säen?

In milden Lagen mit Vlies ja, die Pflanzen überwintern klein und tragen früher. Bei nassen, kalten Wintern ist die Voranzucht im Februar die sichere Wahl.

Was nach Dicken Bohnen pflanzen?

Alles, was Stickstoff mag: Winterporree, Zwiebelgemüse, Herbstkohl wie Blumenkohl, Brokkoli oder Kohlrabi. Die Wurzeln dafür im Beet lassen.

Wachsen Dicke Bohnen im Hochbeet?

Ja, dort trocknet die Erde nur schneller aus, also mulchen und gießen. Auch ein großer Kübel geht, mit ein paar Pflanzen und einer Stütze.

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