Knollensellerie anbauen: vom Lichtkeimer im Februar zur dicken Knolle im Herbst

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Knollensellerie ist eine Geduldskultur: Im Februar liegt das staubfeine Saatgut auf der Erde, im Oktober ziehst du Knollen aus dem Beet, die eine Hand füllen. Dazwischen liegen acht Monate, in denen nur drei Dinge wirklich zählen: der richtige Start unter Licht, zweimal Pikieren und beim Pflanzen nicht zu tief setzen. Hier steht, wie wir Knollensellerie anbauen, warum er im Hochbeet bei uns schneller wächst als im Beet, was die Prise Meersalz im Pflanzloch soll und wie die Knollen bis zum Frühjahr halten. Und ein Abschnitt für den Stangensellerie, der ähnlich tickt und noch früher erntereif ist.

Eine Hand hält einen frisch geernteten Knollensellerie mit Laub und Wurzeln in die Höhe
Sorte Monarch aus unserem Hochbeet: Die ersten Knollen ernten wir ab Mitte August.

Knollensellerie auf einen Blick

AussaatFebruar bis März im Haus vorziehen. Direktsaat von Anfang April bis Ende Mai möglich, dann Ernte erst im Oktober
SaattiefeLichtkeimer, nur andrücken oder hauchdünn übersieben
Bodentemperatur zum Keimen15 bis 20 °C, Keimdauer bis zu vier Wochen
Pikierenja, sobald die ersten echten Blätter da sind
PflanzungMitte April bis Mai nach den Frösten, 40 mal 40 cm, im Hochbeet 30 mal 30 cm, nicht tiefer als im Topf
ErnteBlattgrün ab Mitte Juli, Knollen ab Mitte August bis Ende Oktober
Standortvolle Sonne, humoser, gleichmäßig feuchter Boden
NährstoffbedarfStarkzehrer
Frostleichte Fröste ja, vor stärkerem Frost ernten und einlagern
Saatgutmenge0,1 g sind rund 100 Korn, mehr als genug für ein Beet

Aussaat: der Lichtkeimer braucht Geduld

Wir säen Ende Februar oder Anfang März in Aussaaterde, Sellerie hat die längste Entwicklungszeit im Gemüsegarten. Anfang Februar geht nur mit Zusatzlicht, ohne Leuchte ist ab März der bessere Start. Das Saatgut ist staubfein, drei bis vier Korn kommen mit etwas Abstand in jedes Töpfchen der Multitopfplatte. Sellerie ist Lichtkeimer, die Körner werden also nicht bedeckt, sondern nur angedrückt. Wir sieben trotzdem einen Hauch Erde darüber, nicht zum Abdecken, sondern damit die Oberfläche nicht austrocknet. Feucht muss es bleiben, sonst passiert nichts.

Bei 15 bis 20 °C dauert die Keimung zwei bis vier Wochen, das ist normal. Wer nach zehn Tagen nichts sieht, hat noch nichts falsch gemacht. Wenn die Keimlinge nach den Keimblättern die ersten echten Blätter zeigen, ist es Zeit zum Pikieren.

Zweimal pikieren, dann ins Gewächshaus

Beim ersten Pikieren bekommt jede Pflanze ihr eigenes Töpfchen. Werden die Blätter danach blass, ist das kein Fehler, sondern Hunger: Sellerie ist Starkzehrer und braucht schon als Jungpflanze mehr, als Aussaaterde hergibt. Wir pikieren deshalb ein zweites Mal in eine Mischung aus Aussaaterde und Komposterde, normale Pflanzerde tut es auch. Ab Anfang April dürfen die Pflanzen ins Gewächshaus, dort ist es warm und hell, und sie bilden die kräftigen weißen Wurzeln, die man später beim Pflanzen sieht.

Direktsaat ins Beet ist von Anfang April bis Ende Mai möglich, spart die Anzucht, kostet aber zwei Monate: Die Knollen sind dann erst im September oder Oktober so weit, und du kannst nicht selektieren. Wir ziehen vor und pflanzen nur die kräftigsten.

Pflanzen: nicht zu tief, mit Sonne und einer Prise Salz

Ins Beet kommen die Jungpflanzen ab Mitte April, wenn das Frühjahr mild ist, sonst Anfang Mai. Zwei Dinge entscheiden über die Knolle. Erstens der Standort: volle Sonne, nichts anderes. Zweitens die Pflanztiefe: Sellerie wird nicht tiefer gesetzt, als er im Topf stand, anders als Tomaten. Sitzt das Herz in der Erde, bildet er keine ordentliche Knolle. Abstand 40 mal 40 cm im Beet, im Hochbeet haben wir 30 mal 30 cm probiert, das reicht dort.

Das Beet bereiten wir wie für alle Starkzehrer vor, mit Kleedünger und Kompost. Und dann der alte Gärtnertrick: Sellerie stammt von der Küste, deshalb kommt bei uns eine Prise Meersalz mit ins Pflanzloch. Ob es die Prise war oder das Hochbeet, wissen wir nicht, aber im Hochbeet sind unsere Pflanzen deutlich schneller gewachsen als im Beet. Geschadet hat das Salz jedenfalls nicht.

Ein Blick aufs Wetter lohnt sich nach dem Pflanzen: Junge Selleriepflanzen vertragen keine längere Kälte. Wer sie vor den Eisheiligen setzt und eine Kaltphase erwischt, riskiert, dass die Pflanzen schießen, also blühen statt eine Knolle zu bilden. Vlies bereithalten oder später pflanzen.

Pflege: Wasser, Futter, Mulch

Sellerie will gleichmäßig feucht stehen. Im heißen Sommer 2018 mussten wir trotz Mulch regelmäßig wässern, sonst bleiben die Knollen klein und werden hohl. Wir mulchen die Beete, das hält die Feuchtigkeit und spart Gießgänge. Als Starkzehrer bekommt er im Sommer nach Bedarf eine verdünnte Jauche oder einen anderen Flüssigdünger, spätestens wenn das Laub heller wird. Das Blattgrün, das sich nach unten legt, darf ab, dann geht mehr Kraft in die Knolle, und die Blätter würzen Suppe und Eintopf.

Gute Nachbarn und Fruchtfolge

Im Beet standen bei uns Steckrübe und Rote Bete neben dem Sellerie, das hat gut funktioniert. Die klassischen Partner sind Lauch, Buschbohnen und vor allem Blumenkohl, auch Kohl allgemein und Gurken passen. Sellerie folgt gern auf eine gut gedüngte Kultur, und nach ihm sollten auf demselben Beet drei Jahre lang keine Doldenblütler stehen, also weder Sellerie noch Möhren, Pastinaken oder Fenchel.

Ernte und Lagerung

Ab Mitte Juli ernten wir das erste zarte Laub für die Küche. Die Knollen beginnen bei einer Aussaat im Februar ab Mitte August, im Hochbeet zuerst, im Beet ab September oder Oktober. Wir ernten nach Bedarf: Die größten zuerst, der Rest wächst bis in den Herbst weiter. Leichte Fröste steckt der Sellerie weg, in milden Wintern und unter Mulch kann er stehen bleiben. Sobald stärkerer Frost angekündigt ist, wird alles geerntet.

Zum Lagern das Laub bis auf das Herz abschneiden, die Knollen nicht waschen und in Sand einschlagen oder in einer Gemüsekiste kühl und frostfrei aufbewahren, im Keller oder in der Garage. So halten sie bis ins Frühjahr. In der Küche ist Sellerie bei uns Schnitzel, Kartoffel-Sellerie-Stampf und Suppe, etwa unsere Samtsuppe mit Birne. Getrocknet und gemahlen ersetzt er Salz.

Typische Probleme und was dahintersteckt

Die Saat keimt nicht

Meist bedeckt statt angedrückt, ausgetrocknet oder zu kalt. Lichtkeimer, gleichmäßig feucht, 15 bis 20 °C, und bis zu vier Wochen Geduld.

Die Jungpflanzen werden blass

Hunger. In nährstoffreichere Erde pikieren, im Beet als Starkzehrer düngen.

Keine Knolle, nur Wurzelbart

Zu tief gepflanzt oder zu wenig Sonne. Das Herz muss über der Erde bleiben, der Platz vollsonnig sein.

Der Sellerie blüht

Er hat nach dem Pflanzen eine Kälteperiode erwischt und schießt. Später pflanzen oder mit Vlies schützen.

Kleine, hohle Knollen

Trockenheit im Sommer oder zu dichter Stand. Gleichmäßig gießen, mulchen, 40 cm Abstand halten.

Rostbraune Flecken in der Knolle

Eisenflecken, eine Stoffwechselstörung bei ungleichmäßiger Versorgung. Die Sorte Monarch ist dafür wenig anfällig, gleichmäßig wässern hilft zusätzlich.

Stangensellerie: die schnelle Verwandtschaft

Stangensellerie wird genauso vorgezogen, Februar bis März als Lichtkeimer, pikiert und von Mitte April bis Ende Mai gepflanzt, mit 30 cm Abstand in Reihen von 30 bis 40 cm. Er ist Mittelzehrer, will aber dieselbe gleichmäßige Feuchte, sonst werden die Stiele holzig. Geerntet wird von Mitte Mai bis in den November, stangenweise von außen oder als ganze Staude. Unser Stangensellerie Tall Utah hat fleischige Stiele von 25 bis 30 cm, das Gemüse zum Dippen und für Suppen.

Unsere Sorten

Beide Sorten sind samenfest und bio-zertifiziert. Sellerie ist zweijährig: Eine überwinterte Knolle blüht im zweiten Jahr und bringt Saatgut, wie das geht, steht im Ratgeber Samenfestes Saatgut. Alle Sorten nach Aussaatmonaten findest du im Aussaatkalender.

Häufige Fragen

Wann Knollensellerie säen?

Ende Februar bis März im Haus, mit Zusatzlicht schon Anfang Februar. Direktsaat von April bis Mai, dann ist die Ernte erst im Oktober.

Wie tief säen?

Gar nicht. Sellerie ist Lichtkeimer, die Körner werden nur angedrückt und feucht gehalten.

Muss man Sellerie pikieren?

Ja, am besten zweimal: erst einzeln in Töpfchen, dann in nährstoffreichere Erde, weil die Jungpflanzen sonst blass werden.

Wie tief Knollensellerie pflanzen?

Genau so tief wie im Topf, nie tiefer. Sitzt das Herz in der Erde, gibt es keine Knolle.

Welcher Abstand?

40 mal 40 cm im Beet, im Hochbeet reichen 30 mal 30 cm.

Wann Knollensellerie ernten?

Ab Mitte August nach Bedarf, vor dem ersten stärkeren Frost alles. Leichte Fröste verträgt er.

Wie lagere ich Knollensellerie?

Laub abschneiden, ungewaschen in Sand oder in einer Kiste kühl und frostfrei lagern, dann hält er bis ins Frühjahr.

Wächst Knollensellerie im Hochbeet?

Bei uns sogar schneller als im Beet. 30 mal 30 cm Abstand, gleichmäßig gießen, weil das Hochbeet schneller austrocknet.

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