Chinakohl ist der Kohl für Leute, die keinen Kohl mögen: zart, knackig, mild, roh im Salat so gut wie in der Pfanne, und aus dem eigenen Beet schmeckt er aromatischer und kräftiger als jeder Kopf aus dem Supermarkt. Der Trick liegt im Kalender. Chinakohl wird erst nach der Sommersonnenwende gesät, sonst schießt er statt einen Kopf zu bilden, und er hat es eilig: zehn bis zwölf Wochen von der Saat bis zum Kopf, Ernte von Mitte September bis in den Dezember. Hier steht, wie wir Chinakohl anbauen, wann wir säen, pikieren und pflanzen, warum die Kräuter dazwischen stehen, wie wir ernten und lagern und was aus den Köpfen wird, nämlich Kimchi. Dazu die kleinen Verwandten aus derselben Familie, die im Herbstbeet und im Gewächshaus bis in den Winter liefern: Pak Choi und die Asiasalate.

Chinakohl auf einen Blick
| Aussaat | Ende Juni bis Mitte August in Schalen vorziehen, Direktsaat im Juli möglich; nie vor der Sommersonnenwende |
|---|---|
| Saattiefe | 1 cm in nährstoffarmer Aussaaterde |
| Bodentemperatur zum Keimen | 15 bis 24 °C, bei Hitze die Schale halbschattig stellen |
| Pikieren | ja, nach zwei bis drei Wochen in 9er-Töpfe oder Quickpots, lange Keimlinge tiefer setzen |
| Pflanzung | Anfang bis Ende August, 40 cm in der Reihe, Reihen 50 cm |
| Kulturdauer | 10 bis 12 Wochen ab Aussaat |
| Ernte | Mitte September bis Anfang Dezember |
| Standort | vollsonnig, je mehr Sonne, desto fester der Kopf |
| Nährstoffbedarf | Starkzehrer, Kompost oder Kleedünger vor der Pflanzung, kein Nachdüngen nötig |
| Wasser | regelmäßig, besonders nach der Pflanzung |
| Frost | leichte Fröste ja, vor Dauerfrost ernten oder mit Vlies schützen |
| Saatgutmenge | 0,2 g sind rund 50 Pflanzen, zehn reichen einer Familie |
Chinakohl, Pak Choi, Asiasalat: eine Familie
Unser Chinakohl Granat bildet hohe, schlanke, geschlossene Köpfe mit kräftigem, aromatischem Geschmack und Blättern, die beim Dünsten ihre Konsistenz behalten. Er sieht nicht nur anders aus als die üblichen Köpfe aus dem Supermarkt, er schmeckt auch anders: aromatischer, kräftiger und sehr, sehr knackig. Botanisch ist Chinakohl kein Kopfkohl, sondern ein Rübsen, Brassica rapa, und damit verwandt mit Pak Choi, dem Senfkohl mit den dicken weißen Stielen, mit den Asiasalaten Mizuna, Moutarde und Tokyo, die als Schnittsalat mehrfach geerntet werden, und mit Mairübe und Stielmus. Alle wachsen schnell, alle mögen es eher kühl, und alle gehören deshalb in die zweite Jahreshälfte. Für Chinakohl reichen 0,2 g Saatgut, rund 50 Pflanzen, für die Asiasalate ein Gramm je drei Quadratmeter.
Warum erst nach der Sommersonnenwende
Ganz klassisch säen wir Chinakohl erst nach dem 21. Juni, von Ende Juni bis Mitte August. Der Grund ist das Schossen: Chinakohl, der bei langen Tagen und ein paar kühlen Nächten heranwächst, hält das für den Frühling und schiebt eine Blüte statt einen Kopf. Mit sinkender Tageslänge im Spätsommer bleibt er beim Kopf. Deshalb gibt es bei uns keine Frühjahrsaussaat, und wer im Juni ungeduldig wird, wartet lieber noch zwei Wochen. Dasselbe gilt für Pak Choi, der im Frühjahr gesät ebenfalls gern in die Blüte geht.
Aussaat und Pikieren: in Schalen, dann in Töpfe
Gesät wird in Schalen mit nährstoffarmer Aussaaterde, 1 cm tief. Zum Keimen braucht das Saatgut 15 bis 24 °C, mehr nicht, und wenn es im Juli bei der Voranzucht einfach zu heiß ist, stellen wir die Schale halbschattig. Nach zwei bis drei Wochen sind die Keimlinge so weit und werden pikiert: in 9er-Töpfe oder die größeren Quickpots, in eine Erde mit mehr Nährstoffen, und wer lang gewachsene Keimlinge hat, setzt sie tiefer. In den Töpfen stehen die Jungpflanzen drei bis vier Wochen, bis das Beet frei ist. Direktsaat im Juli ins Beet geht auch, 1 cm tief, später auf 40 cm vereinzelt, nur ist die Keimung im heißen Boden unsicherer und die Schnecken freuen sich.

Pflanzen: im August, sonnig, mit Kräutern dazwischen
Von Anfang bis Ende August kommen die Jungpflanzen ins Beet, und zwar auf gut gefütterten Boden: Chinakohl ist ein Starkzehrer. Je nachdem, was vorher im Beet stand, wird es aufgearbeitet, bei uns nach dem Knoblauch mit Kompost oder Kleedünger. Gute Vorkulturen sind Knoblauch, Frühkartoffeln, Zwiebeln, Dicke Bohnen und Salate, alles, was im Juli oder August abgeerntet ist. Der Standort ist absolut sonnig, je mehr Sonne, desto besser, denn der Chinakohl wächst bis in den Herbst hinein, wenn die Tage kürzer werden. Der Abstand beträgt 40 cm in der Reihe und 50 cm zwischen den Reihen. Und dann unser Kniff: Zwischen die Pflanzen setzen wir immer Kräuter, viele Kräuter, Dill, Koriander, Basilikum, Bohnenkraut. Das hält uns einige Schädlinge vom Leib. Wer Erdflöhe und Kohlweißlinge kennt, legt zusätzlich ein Gemüseschutznetz über das Beet, bis die Pflanzen kräftig sind.
Pflege: gießen, mehr nicht
Sobald die Jungpflanzen im Beet stehen, werfen wir ein Auge auf die Wasserversorgung und gießen bei Trockenheit, in den ersten zwei Wochen täglich die Fingerprobe. Chinakohl besteht zu großen Teilen aus Wasser, und ein Kopf, der zwischendurch Durst hatte, bleibt locker. Nachgedüngt wird nicht: Aus unserer Erfahrung war es bei vorbereitetem Boden bisher nie nötig. Mulch aus Grasschnitt hält die Erde feucht und die Köpfe sauber.

Ernte und Lagerung: von Mitte September bis Dezember
Mitte September startet das Erntefenster, und es zieht sich tatsächlich bis in den Dezember. Reif ist der Kopf, wenn er sich fest anfühlt und oben geschlossen ist. Wir schneiden ihn mit dem Messer knapp über dem Boden ab und nehmen die äußeren Blätter weg. Wer nur ein paar Blätter braucht, kann sie auch einzeln von außen abnehmen, die Pflanze wächst weiter. Leichte Fröste bis etwa minus drei Grad verträgt Chinakohl im Beet, bei strengerem Frost legen wir ein Vlies darüber oder ernten vorher ab. Gelagert wird der Kopf kühl und feucht, in Zeitungspapier gewickelt im Keller oder im Gemüsefach, so hält er vier bis acht Wochen. Zusammenbinden muss man die Köpfe nicht, Granat schließt von selbst.
Pak Choi: schnell, unkompliziert, auch halbschattig
Pak Choi ist der schnelle Vetter: acht bis zehn Wochen nach der Aussaat erntereif, mit zarten Blättern und knackigen, saftigen Stielen. Gesät wird von August bis September, 1 bis 2 cm tief, in Schalen, die schattig stehen und feucht gehalten werden, bei 18 bis 22 °C keimt er in wenigen Tagen. Die Keimlinge werden pikiert, eine Direktsaat im Freiland ist möglich, erfahrungsgemäß aber etwas schwieriger. Gepflanzt wird auf 25 x 25 cm, sonnig oder halbschattig, in lockeren Boden. Wichtig sind nur regelmäßiges Wasser und ausreichend Nährstoffe, dann gibt es nichts zu tun. Geerntet wird der ganze Kopf oder Blatt für Blatt von außen, und wie der Chinakohl geht er ab Dezember unter ein Vlies. Roh im Salat, gegart in Gemüsepfanne, Curry oder Suppe, die Stiele zuerst in den Wok, die Blätter zuletzt.

Asiasalate: säen, schneiden, wieder schneiden
Die Asiasalate sind die Blattverwandten für den Herbst und Winter, und sie sind die dankbarsten Pflanzen in dieser Familie. Gesät wird von Juli bis Oktober ins Freiland und von November bis Dezember ins Gewächshaus, 1 bis 2 cm tief, in Reihen mit 15 bis 25 cm Abstand, später auf 20 bis 30 cm vereinzelt, oder breitwürfig als Schnittsalat. Der erste Schnitt ist drei bis fünf Wochen nach der Aussaat möglich, Mizuna lässt sich bis zu fünfmal beernten. Sie sind Schwachzehrer, brauchen keinen Dünger, wachsen sonnig wie halbschattig, im Hochbeet und im Topf, und sie sind frosthart bis etwa minus zehn Grad, Tokyo mit etwas Schutz. Unsere drei: Mizuna, hellgrün, fein gefiedert, mild, der Klassiker für die Schale; Moutarde Rouge Metis, intensiv rote, gezackte Blätter mit angenehmer Senfschärfe; Tokyo, gewellte große Blätter, süßlich mild, zum Kochen wie zum Naschen. Roh im Salat, auf dem Brot oder kurz durch die heiße Pfanne gezogen.

In der Küche: Gemüsepfanne, Schiffchen und Kimchi
Wir essen Chinakohl unheimlich gern in der Gemüsepfanne, und die ganzen Blätter nehmen wir als Schiffchen für Rohkostsalate, roh mit Mandeln und Mandarinen oder gedünstet als Beilage. Und wo er natürlich nicht fehlen darf, ist beim Kimchi: eingesalzene Blätter, gewässert, in Stücke geschnitten, mit Rettich, Möhre, Knoblauch, Ingwer und Chili in die Gläser und fermentiert, der Immunbooster für den Winter. Wie wir das machen, steht im Beitrag Kimchi, Gemüse fermentieren und im Video:
Gute Nachbarn und Fruchtfolge
Gern steht der Chinakohl mit Endivien, Tomaten, Sellerie und Erbsen, und vor allem mit Kräutern dazwischen. Mit anderen Kohlpflanzen zusammen steht er nicht so gern, sie teilen die Schädlinge und den Hunger. In der Fruchtfolge zählt er wie Pak Choi, Asiasalat, Rettich und alle Kohlarten zu den Kreuzblütlern: vier Jahre Pause auf demselben Beet, sonst droht Kohlhernie. Als Nachkultur ab August ist er ideal, nach ihm kommt im Frühjahr ein Schwachzehrer oder die Erbse.
Typische Probleme und was dahintersteckt
Die Pflanze schießt und blüht statt einen Kopf zu bilden
Zu früh gesät oder eine kalte Woche nach der Pflanzung. Erst nach der Sommersonnenwende säen, Jungpflanzen nicht zu lange im Topf lassen.
Kleine Löcher in den Blättern
Erdflöhe, vor allem bei Trockenheit. Gießen, mulchen, Netz, Kräuter dazwischen.
Große Fraßstellen und grüne Raupen
Kohlweißling. Raupen absammeln, Gemüseschutznetz von Anfang an.
Der Kopf bleibt locker
Zu wenig Sonne, zu wenig Wasser oder zu spät gepflanzt. Vollsonnig, regelmäßig gießen, bis Ende August pflanzen.
Welke Pflanzen mit verdickten Wurzeln
Kohlhernie. Pflanzen entfernen, nicht kompostieren, vier Jahre keine Kreuzblütler auf dem Beet, Boden kalken.
Faule Stellen im Kopf nach Frost
Dauerfrost ohne Schutz. Vor strengem Frost ernten oder Vlies auflegen.
Unsere Sorten
- Chinakohl Granat: hohe, schlanke, geschlossene Köpfe, kräftig und aromatisch, zum Dünsten, für Salat und Kimchi. 0,2 g für rund 50 Pflanzen, samenfest und bio.
- Pak Choi: acht bis zehn Wochen bis zur Ernte, knackige weiße Stiele, für Wok, Curry und Salat. 0,2 g.
- Asiasalat Mizuna: hellgrün, gefiedert, mild, bis zu fünf Schnitte, frosthart. 1 g für 3 m².
- Asiasalat Moutarde Rouge Metis: rote, gezackte Blätter mit Senfschärfe. 1 g.
- Asiasalat Tokyo: große gewellte Blätter, süßlich mild, mit Schutz winterfest. 1 g.
Alle Kohlarten findest du in der Kategorie Kohlgemüse, die Asiasalate unter Blattgemüse, die Aussaatzeiten im Aussaatkalender. Warum wir nur samenfestes Saatgut führen, steht im Ratgeber.
Mehr zum Chinakohl
- Was aus den Köpfen wird: Kimchi, Gemüse fermentieren
- Die Kopfkohle für den Winter: Weißkohl anbauen und Wirsing anbauen
- Die Vorkultur im Beet: Knoblauch anbauen und Kartoffeln anbauen
- Die anderen Wintersalate: Feldsalat anbauen, Spinat anbauen und Endiviensalat anbauen
Häufige Fragen
Wann Chinakohl säen?
Von Ende Juni bis Mitte August, nie vor der Sommersonnenwende, sonst schießt er. Pflanzung im August, Ernte ab Mitte September.
Vorziehen oder direkt säen?
Wir ziehen vor und pikieren nach zwei bis drei Wochen. Direktsaat im Juli geht, ist aber wegen Hitze und Schnecken unsicherer.
Wie tief und wie warm?
1 cm tief, 15 bis 24 °C zum Keimen. Bei Hitze die Schale halbschattig stellen.
Welcher Abstand beim Chinakohl?
40 cm in der Reihe, 50 cm zwischen den Reihen. Dazwischen Kräuter.
Muss ich Chinakohl düngen?
Vor der Pflanzung Kompost oder Kleedünger, danach nicht mehr. Wichtiger ist regelmäßiges Gießen.
Wann Chinakohl ernten?
Von Mitte September bis Anfang Dezember, wenn der Kopf fest und oben geschlossen ist. Einzelne Blätter gehen auch.
Wie lange hält Chinakohl?
In Zeitungspapier gewickelt, kühl und feucht, vier bis acht Wochen. Im Beet mit Vlies bis in den Dezember.
Verträgt Chinakohl Frost?
Leichte Fröste bis etwa minus drei Grad ja. Davor ernten oder Vlies auflegen.
Wann Pak Choi säen?
August bis September, Keimung bei 18 bis 22 °C, Ernte nach acht bis zehn Wochen. Frühjahrsaussaaten schießen leicht.
Wann Asiasalat säen?
Juli bis Oktober ins Beet, November bis Dezember ins Gewächshaus. Erster Schnitt nach drei bis fünf Wochen, frosthart bis minus zehn Grad.
Welche Nachbarn passen zum Chinakohl?
Endivien, Tomaten, Sellerie, Erbsen und Kräuter. Nicht neben andere Kohlarten, vier Jahre Pause für Kreuzblütler.
Was tun gegen Löcher in den Blättern?
Erdflöhe. Feucht halten, mulchen, Netz auflegen. Große Fraßstellen kommen vom Kohlweißling, Raupen absammeln.


