Wirsing anbauen: Sommerwirsing ab Januar säen, Winterwirsing bis Februar aus dem Beet ernten

Wirsing im Mai für den Winter anbauen? Ja, tatsächlich säen wir den Wirsing spät jetzt aus, um im Winter wunderbaren Kohl ernten zu können.

Inhaltsverzeichnis

Wirsing ist der Kohl, der bei uns am längsten im Beet steht: Die Frühsorte säen wir im Januar und ernten sie ab Mai, die Spätsorte kommt im Mai in die Erde und bleibt bis in den Februar draußen stehen, bei Schnee und Frost. Wer beide anbaut, hat fast das ganze Jahr gekrauste Köpfe im Garten, und die frühen schmecken so mild, dass sie roh in den Salat wandern. Hier steht, wie wir Wirsing anbauen, warum die Jungpflanzen tiefer gesetzt werden, wie wir ohne Netz auskommen, wann die Köpfe reif sind und was mit dem Winterwirsing bei Frost passiert.

Jen steht im Garten und hält ein Töpfchen und eine Schale mit jungen Wirsingpflanzen
Mai: Die Jungpflanzen des Winterwirsings sind pikiert und warten auf ein freies Beet.

Wirsing auf einen Blick

AussaatFrühsorte Mitte Januar bis März im Haus, bis Anfang März mit Pflanzenleuchte. Spätsorte April bis Mai draußen
Saattiefe0,5 bis 1 cm
Bodentemperatur zum Keimen15 bis 20 °C, Keimdauer ein bis zwei Wochen
Pikierenja, nach zwei bis drei Wochen, tiefer setzen
PflanzungFrühsorte ab Anfang März geschützt, ab Mitte April im Freiland, 35 cm in der Reihe. Spätsorte Mitte Mai bis Ende Juli, 50 cm. Reihen 50 cm
KulturdauerFrühsorte 10 bis 12 Wochen ab Pflanzung, Spätsorte 20 bis 24 Wochen ab Aussaat
ErnteMitte Mai bis Ende Juli (früh), Oktober bis Februar (spät)
Standortvolle Sonne, humoser, gleichmäßig feuchter Boden
NährstoffbedarfStarkzehrer
FrostSpätsorte winterhart, bleibt im Beet und wird durch Frost milder
Saatgutmenge0,15 g sind rund 30 Pflanzen

Zwei Sorten, zwei Jahreszeiten

Sommerwirsing kann man nicht kaufen, zumindest haben wir ihn noch nie im Laden gesehen. Dabei ist die Frühsorte eine Bereicherung: zartes, hellgrünes, fein gekraustes Blatt, Köpfe bis ein Kilo, Ernte ab Mitte Mai, wenn sonst noch kein Kohl da ist. Gesät wird ab Mitte Januar unter der Pflanzenleuchte, und die frühe Aussaat hat einen zweiten Vorteil: Der Kohlweißling fliegt noch nicht, wenn die Köpfe schon fertig sind. Der Winterwirsing ist das Gegenstück, dunkler, fester, langsam. Wir säen ihn von April bis Mai, pflanzen ihn nach den Frühkartoffeln oder den Dicken Bohnen und ernten von Oktober bis Februar nach Bedarf, direkt aus dem Beet. Neben Rosenkohl, Palmkohl und Grünkohl ist er unser liebstes Wintergemüse.

Aussaat und Pikieren: beschriften, dann tiefer setzen

Wirsing säen wir in nährstoffarme Aussaaterde, 0,5 bis 1 cm tief, bedeckt und feucht gehalten, bei 15 bis 20 °C keimt er in ein bis zwei Wochen. Die Frühsorte steht ab Januar im Haus unter Licht, ab März reicht das Gewächshaus. Die Spätsorte keimt ab April draußen im Carport oder unter einem Netz. Beschriften ist bei Kohl Pflicht: Wirsing, Kohlrabi und Brokkoli sehen als Keimlinge gleich aus.

Zwei bis drei Wochen nach der Aussaat wird pikiert, in eine Mischung aus halb Aussaaterde und halb Kompost, oder in reine Aussaaterde mit Flüssigdünger. Die Keimlinge kommen tiefer in die Erde, bis zu den Keimblättern, dann wurzelt der Stängel und die Pflanze steht fest. Wir nehmen von Anfang an größere Töpfchen, weil die Pflanzen oft warten müssen, bis ein Beet frei wird. Nach dem Pikieren stehen sie kühler und hell.

Pflanzen: ein halber Meter und ein Gießrand

Die Frühsorte pflanzen wir ab Anfang März geschützt ins Gewächshaus oder unter die Frühbeethaube und ab Mitte April ins Freiland, die Spätsorte von Mitte Mai bis Ende Juli. Das Beet bekommt vorher reichlich Kompost oder Kleedünger, Wirsing ist Starkzehrer und bildet eine Menge Blatt. Pferdemist nehmen wir bei Kohl nicht. Gepflanzt wird wieder tiefer als im Topf, mit 35 cm Abstand bei der Frühsorte und einem halben Meter bei der Spätsorte, Reihen 50 cm. Wer enger pflanzt, bekommt kleinere Köpfe. Um jede Pflanze formen wir einen Gießrand, dann läuft das Wasser nicht weg, angießen, mulchen. Zwischen den Reihen stehen bei uns Gewürztagetes, Kamille und Thymian, und mit dieser Mischkultur sparen wir uns das Netz.

Ein hellgrüner, fein gekrauster Kopf Sommerwirsing zwischen seinen Blättern
Sommerwirsing Vorbote 3 im Juni: zart, mild und nach zwölf Wochen erntereif.

Winterwirsing: im Mai säen, im Januar ernten

Wirsing im Mai für den Winter säen klingt früh, ist aber der Schlüssel zur Selbstversorgung im Winter. Die Spätsorte braucht 20 bis 24 Wochen und bildet ihre Köpfe erst spät, dafür hält sie draußen, was der Winter bringt. Gepflanzt wird von Mitte Mai bis Ende Juli in Beete, die gerade frei werden, der Abstand ist mit 50 cm großzügig. Über den Sommer wächst er unauffällig vor sich hin, braucht Wasser und einmal Mulch. Ab Oktober lassen wir die Köpfe einfach stehen und holen bei Bedarf einen heraus, bis in den Februar. Die äußeren Blätter samt Schnecken gehen an die Hühner.

Pflege: Wasser, Mulch, ein Blick auf die Raupen

Wirsing bildet viel Blattmasse und will dafür einen feuchten Boden. Mulch aus Stroh oder Grasschnitt hält die Feuchtigkeit, in einem trockenen Frühjahr entscheidet die Fingerprobe, ob gegossen wird. Nachgedüngt wird bei vorbereitetem Beet nicht, bei blassem Laub hilft eine Jauche. Bei der Frühsorte sind wir mit den Schädlingen meist durch, bevor sie kommen. Beim Winterwirsing lohnt ab Mai ein regelmäßiger Blick unter die Blätter: Raupen vom Kohlweißling absammeln, Schnecken unter Brettern einsammeln, und wer Tauben oder die Kohlfliege im Garten hat, legt ein Netz auf.

Gute Nachbarn und Fruchtfolge

Gute Nachbarn für Wirsing sind Gewürztagetes, Kamille und Thymian, dazu Sellerie, Salat, Spinat, Buschbohnen, Erbsen und Rote Bete. Nicht neben andere Kohlarten, Zwiebeln oder Knoblauch. Vier Jahre Pause auf demselben Beet, wie bei allem Kohl, sonst droht die Kohlhernie. Als Vorkultur passen Dicke Bohnen oder frühe Kartoffeln, nach dem Winterwirsing im Frühjahr kommen Bohnen oder Kartoffeln aufs Beet.

Ernte: fester Kopf, bei Frost noch besser

Reif ist der Kopf, wenn er sich fest anfühlt und die inneren Blätter dicht liegen. Die Frühsorte ernten wir von Mitte Mai bis Ende Juli zügig, bei Sommerhitze würde sie sonst platzen oder schießen. Der Winterwirsing darf stehen bleiben: Frost schadet ihm nicht, er wird dadurch sogar milder und süßer. Nur bei gefrorenem Kopf warten wir mit dem Schneiden, bis er bei Tauwetter wieder weich ist, sonst wird er beim Auftauen matschig. Geschnitten wird mit dem Messer knapp über dem Boden, die äußeren Blätter bleiben als Schutz dran.

Im Kühlschrank hält ein Kopf ein bis zwei Wochen, im kühlen Keller länger, und blanchiert lässt er sich einfrieren. In der Küche ist der Sommerwirsing unser Rohkost-Geheimtipp: fein geschnitten als Salat, im grünen Smoothie mit Apfel und Zitrone, kurz gedünstet zu Pellkartoffeln. Der Winterwirsing kommt in Rouladen, Eintopf und Krautsalat. Und ja, aus Wirsing wird auch Sauerkraut, genauso wie aus Weißkohl, nur zarter.

Ein fester, dunkelgrün gekrauster Wirsingkopf mit Wassertropfen auf den Blättern
Winterwirsing nach dem ersten Frost: Jetzt ist er am mildesten.

Typische Probleme und was dahintersteckt

Lockere, kleine Köpfe

Zu eng gepflanzt, zu wenig Nährstoffe oder Wasser, bei der Frühsorte zu viel Hitze. Abstand halten, Beet vorbereiten, mulchen.

Der Kopf platzt

Nach Trockenheit kam plötzlich viel Wasser. Gleichmäßig gießen, mulchen, reife Köpfe vor dem Regen ernten.

Löcher in den Blättern, Kot im Kopf

Raupen vom Kohlweißling oder von der Kohleule. Absammeln, Netz, beim nächsten Mal früher säen.

Die Pflanze welkt trotz Wasser

Kohlfliege an den Wurzeln oder Kohlhernie. Ausgraben und nachsehen: Maden heißt Netz, Knollen an den Wurzeln heißt vier Jahre kein Kohl.

Abgefressene Jungpflanzen

Tauben oder Schnecken. Netz, Kragen, Bretter.

Graue oder braune Flecken im Herbst

Pilze in feuchten Wochen. Befallene Außenblätter abnehmen, luftig halten, der Kopf ist meist gesund.

Unsere Sorten

  • Wirsing früh Vorbote 3: sehr frühe Sorte, hochrunder Kopf bis ein Kilo, zart gekraust und mild. Von Mitte Januar bis März vorziehen, Ernte Mitte Mai bis Ende Juli. 0,15 g sind rund 30 Pflanzen.
  • Wirsing spät Smaragd: späte Sorte mit festen, fein gekrausten Köpfen, als Überwinterungswirsing bis ins zeitige Frühjahr. Von April bis Mai säen, Ernte Oktober bis Februar.

Alle Kohlarten findest du in der Kategorie Kohlgemüse, die Aussaatzeiten im Aussaatkalender. Warum wir nur samenfestes Saatgut führen, steht im Ratgeber.

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Häufige Fragen

Wann Wirsing säen?

Die Frühsorte ab Mitte Januar im Haus mit Licht, ab März ohne. Die Spätsorte von April bis Mai draußen.

Wann Wirsing pflanzen?

Frühsorte ab März geschützt, ab Mitte April ins Freiland. Spätsorte von Mitte Mai bis Ende Juli.

Welcher Abstand?

Frühsorte 35 cm, Spätsorte 50 cm in der Reihe, Reihen 50 cm. Enger gibt kleinere Köpfe.

Wie lange bis zur Ernte?

Frühsorte 10 bis 12 Wochen ab Pflanzung, Spätsorte 20 bis 24 Wochen ab Aussaat.

Verträgt Wirsing Frost?

Der Winterwirsing ja, er bleibt bis Februar im Beet und wird durch Frost milder. Gefroren nicht ernten, erst auftauen lassen.

Wann Sommerwirsing ernten?

Von Mitte Mai bis Ende Juli, sobald der Kopf fest ist. Nicht warten, bei Hitze schießt er.

Wächst Wirsing im Hochbeet?

Ja, mit einem halben Meter Abstand und viel Wasser. Für den Winter lieber ins Beet, dort hält er länger.

Warum bleibt mein Wirsing locker?

Zu eng, zu hungrig oder zu trocken. Abstand, Kompost und Mulch lösen das.

Kann man aus Wirsing Sauerkraut machen?

Ja, genau wie aus Weißkohl, das Ergebnis ist zarter. Die Anleitung steht im Sauerkraut-Beitrag.

Was tun gegen Raupen?

Früh säen, Tagetes und Kamille dazwischen, regelmäßig absammeln. Bei starkem Druck das Netz.

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