Brokkoli anbauen: versetzt säen von März bis Juli, tief pikieren, bis Oktober ernten

Brokkoli anbauen ohne Netz? Funktioniert das überhaupt? Wir haben es probiert und anscheinend eine Lösung gefunden. Es duftet und summt und der Kohlweißling fliegt vorbei.

Inhaltsverzeichnis

Brokkoli ist der dankbarste Kohl im Garten: Er braucht keine Zusatzbeleuchtung, keimt draußen im Carport, und nach der Hauptblume liefert er wochenlang Seitenröschen nach. Wir säen ihn deshalb versetzt von März bis Juli und ernten von Juni bis in den Oktober. Und seit ein paar Jahren wächst er bei uns ohne Netz, weil eine Reihe blühender Basilikum daneben den Kohlweißling fernhält. Hier steht, wie wir Brokkoli anbauen, warum die Keimlinge beim Pikieren tiefer gesetzt werden, welcher Abstand wirklich nötig ist, wo man beim Ernten schneidet und was es bedeutet, wenn die Blume gelb wird.

Jen im roten Kleid hält einen frisch geernteten Brokkolikopf vor blühenden Sonnenblumen
August im Gemüsegarten: die Hauptblume, danach kommen die Seitenröschen.

Brokkoli auf einen Blick

AussaatMärz im Haus oder Gewächshaus vorziehen, April bis Juli draußen, gern versetzt alle vier Wochen
Saattiefe0,5 bis 1 cm
Bodentemperatur zum Keimen15 bis 20 °C, Keimdauer etwa eine Woche
Pikierenja, nach etwa drei Wochen, tiefer setzen
PflanzungEnde April bis August, 50 cm in der Reihe, Reihen 50 cm
Kulturdauer12 bis 14 Wochen ab Aussaat
ErnteJuni bis Oktober, Hauptblume plus Seitenröschen
Standortvolle Sonne, nährstoffreicher, gleichmäßig feuchter Boden
NährstoffbedarfStarkzehrer
FrostJungpflanzen vertragen leichte Fröste, im Herbst hält er bis in den Oktober
Saatgutmenge0,15 g sind rund 40 Pflanzen

Versetzt säen: drei Runden von März bis Juli

Ein einzelner Satz Brokkoli ist in zwei, drei Wochen abgeerntet. Deshalb säen wir mehrmals. Die erste Runde geht im März in die Schale, im Gewächshaus oder auf der hellen Fensterbank, gepflanzt wird Ende April, geerntet ab Juni oder Juli. Die zweite Runde säen wir Anfang Mai draußen, die Pflanzen kommen im Juni in die Beete, die der Spinat oder die Dicken Bohnen freigeben, und tragen ab August. Die dritte Runde im Juli wird im August nach den Frühkartoffeln gepflanzt und bringt im Oktober noch einmal Brokkoli, mit Glück samt Seitenröschen bis zum Frost. Je nach Jahr fällt eine Runde üppiger aus als die andere, aber leer war der Brokkoliteller bei uns von Juni bis Oktober noch nie.

Aussaat und Pikieren: tiefer setzen

Brokkoli säen wir in Aussaaterde, 0,5 bis 1 cm tief, und stellen die Schalen nach draußen unters Carportdach: hell, aber geschützt vor Regen und Hagel. Kommt eine kalte Phase, wandern sie ins Gewächshaus, denn zum Keimen braucht er 15 bis 20 °C. Beschriften nicht vergessen, wir säen zur gleichen Zeit Rosenkohl, Grünkohl und Kohlrabi, und Kohlkeimlinge sehen alle gleich aus.

Etwa drei Wochen nach der Aussaat wird pikiert, in Komposterde und bewusst in einzelne Töpfchen statt in die Platte. So können die Pflanzen notfalls länger warten, bis ein Beet frei wird. Beim Pikieren setzen wir die Keimlinge tiefer, bis die Keimblätter fast auf der Erde liegen. Wie bei allen Kohlarten bildet der Stängel unter der Erde Wurzeln, die Pflanze steht fest und kippt nicht. Danach angießen und weiter hell und luftig stellen.

Pflanzen: ein halber Meter und ein gefüttertes Beet

Brokkoli ist Starkzehrer. Das Beet bekommt vor der Pflanzung Kleedünger nach Packungsangabe für Starkzehrer, Kompost oder Bokashi, dann hat er die ganze Saison genug. Bei der Pflanzung schauen wir jede Jungpflanze auf Raupen und Eier durch und setzen sie wieder etwas tiefer als im Topf. Der Abstand ist der Punkt, an dem die meisten sparen: 50 cm in der Reihe und 50 cm zwischen den Reihen, bei mehreren Reihen gern 60. Das sieht nach viel Leere aus, aber weniger Platz heißt kleinere Köpfe. Dann angießen, bei uns mit einem Schluck effektiver Mikroorganismen, und mit Rasenschnitt mulchen, der beim Zersetzen Stickstoff nachliefert.

Eine feste, blaugrüne Brokkoliblume zwischen den Blättern der Pflanze
Erntereif im Juli: Die Knospen sind noch fest geschlossen.

Pflege: feucht halten, nicht entblättern

Brokkoli darf keine Trockenperiode erleben, sonst blüht er im Kleinformat. Wir halten das Beet gleichmäßig feucht, der Mulch hilft dabei. Nachdüngen ist bei vorbereitetem Beet selten nötig, im Sommer gibt es hin und wieder eine Jauche. Die Blätter bleiben an der Pflanze, sie sind ihr Kraftwerk, nur gelbe Blätter unten nehmen wir ab. Wer mag, kann junge Blätter wie Grünkohl essen.

Brokkoli ohne Netz: Basilikum gegen den Kohlweißling

Kohl ohne Netz gilt als aussichtslos, bei uns funktioniert es seit 2021 mit Brokkoli. Der Trick ist eine Reihe Basilikum direkt daneben, die wir kaum beernten, sondern wachsen und blühen lassen. Der intensive Duft scheint den Kohlweißling zu verwirren, im Video sieht man ihn vorbeifliegen, ohne zu landen. Die Insekten freuen sich über die Basilikumblüten, wir über raupenfreie Röschen. Wer bei sich starken Kohlweißlingsdruck hat, nimmt trotzdem lieber das Netz.

Zwei andere Gäste sind hartnäckiger. Tauben holen sich die Jungpflanzen, dagegen hilft ein Drachen, den wir alle paar Tage umstecken, sonst durchschauen sie ihn. Und Schnecken: Bretter auslegen, morgens umdrehen, absammeln und den Hühnern reichen. Gegen Erdflöhe an den Jungpflanzen hat bei trockenem Wetter Urgesteinsmehl geholfen, einfach über die Blätter gepudert.

Gute Nachbarn und Fruchtfolge

Brokkoli steht gern mit Basilikum, Fenchel, Erbsen, Salat, Kartoffeln, Mangold und Rote Bete. Nicht neben andere Kohlarten, Zwiebeln, Spinat oder Chinakohl. Bei der Fruchtfolge gilt wie bei allen Kohlarten: vier Jahre Pause auf demselben Beet, und auch nicht dorthin, wo im Jahr davor Radieschen oder Kohlrabi standen, denn die gehören zur selben Familie. Sonst droht die Kohlhernie. Nach dem Brokkoli ist im Beet noch Zeit für eine Nachkultur: Dicke Bohnen für den Herbst, Spinat oder Feldsalat.

Ernte: schräg schneiden, dann kommen die Röschen

Erntereif ist die Hauptblume, wenn sie fest ist und die Knospen dicht geschlossen und dunkelgrün sind. Zeigen sich erste gelbe Punkte, öffnen sich die Blüten, dann ist es höchste Zeit, im Zweifel lieber einen Tag zu früh. Wir schneiden die Blume mit etwa 10 cm Stiel schräg ab, damit Regenwasser von der Schnittstelle abläuft und der Stumpf nicht fault. Die Pflanze bleibt stehen. Aus den Blattachseln treiben in den folgenden Wochen Seitenröschen, kleiner als die Hauptblume, aber viele. Eine Reihe Brokkoli liefert so noch zwei, drei weitere Mahlzeiten, bei uns bis in den Oktober.

In der Küche mögen wir ihn gedämpft mit Knoblauch, roh mariniert, im Curry, auf der Pizza, als Suppe. Der Strunk ist geschält genauso gut wie die Röschen. Zum Einfrieren teilen wir die Röschen, blanchieren zwei Minuten und frieren sie portionsweise ein.

Eine Hand hält eine geerntete Brokkolipflanze mit Blume und großen Blättern
Ernte 2014: Blume, Stiel und Blätter, alles lässt sich verwenden.

Typische Probleme und was dahintersteckt

Die Blume wird gelb

Zu spät geerntet, Brokkoli blüht. Die Knospen sind dann bitter. Kontrolliere ab der Kopfbildung alle zwei Tage, bei Hitze täglich.

Winzige Köpfe, die sofort blühen

Stress: Trockenheit, Hitze oder eine Jungpflanze, die zu lange im Topf stand. Gleichmäßig gießen, rechtzeitig pflanzen und die Sommerrunde im Halbschatten oder unter Vlies starten.

Löcher in den Blättern, Krümel in den Röschen

Raupen vom Kohlweißling oder von der Kohleule. Absammeln, Röschen vor dem Kochen in Salzwasser legen, beim nächsten Mal Basilikum oder Netz.

Die Pflanze welkt trotz Wasser

Kohlfliege oder Kohlhernie. Ausgraben und nachsehen: Maden am Wurzelhals heißt Netz beim nächsten Mal, dicke Knollen an den Wurzeln heißt Kohlhernie, dann vier Jahre kein Kohl und die Pflanze in den Müll.

Abgefressene Jungpflanzen

Tauben oder Schnecken. Drachen umstecken, Bretter auslegen, notfalls Netz.

Keine Seitenröschen nach der Ernte

Hauptblume zu tief geschnitten oder die Pflanze hatte nach der Ernte Durst. Etwa 10 cm Stiel stehen lassen und weiter gießen.

Blumenkohl und Romanesco: die Verwandtschaft

Brokkoli ist ein Blütenkohl wie der Blumenkohl, nur unkomplizierter. Blumenkohl will es kühler, wird als Frühsorte schon im Januar gesät und bildet nur einen Kopf. Brokkoli mag es wärmer, startet ab März und wächst nach. Romanesco, der grüne Turmkohl, wächst wie ein später Blumenkohl und braucht noch länger. Wie wir Brokkoli und Blumenkohl für die versetzte Ernte kombinieren, zeigt Jen im ausführlichen Video. Die Anleitung für den Blumenkohl steht im eigenen Eintrag.

Unsere Sorte und die Nachbarn

  • Brokkoli Calabrese: starker Haupttrieb mit mittelgroßer bis großer Rose, danach viele Seitentriebe bis in den Herbst. Samenfest und bio, 0,15 g sind rund 40 Pflanzen.
  • Basilikum grün: der Nachbar, der den Kohlweißling ablenkt, ab April vorziehen.
  • Blumenkohl früh und Blumenkohl spät: die Verwandten für die Ernte davor und danach.

Alle Kohlarten findest du in der Kategorie Kohlgemüse, die Aussaatzeiten im Aussaatkalender. Warum wir nur samenfestes Saatgut führen, steht im Ratgeber.

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Häufige Fragen

Wann Brokkoli säen?

Ab März vorgezogen, von April bis Juli draußen. Für eine Ernte bis Oktober die letzte Runde im Juli säen.

Vorziehen oder direkt säen?

Vorziehen und pikieren. So lassen sich die Pflanzen tiefer setzen, und das Beet muss erst frei sein, wenn die Jungpflanzen groß sind.

Wann und wie tief pikieren?

Etwa drei Wochen nach der Aussaat, so tief, dass die Keimblätter fast auf der Erde liegen.

Welcher Abstand?

50 mal 50 cm, bei mehreren Reihen 60 cm zwischen den Reihen. Enger gibt kleinere Köpfe.

Wann Brokkoli ernten?

Sobald die Hauptblume fest ist und die Knospen geschlossen und dunkelgrün sind. Gelbe Punkte heißen: sofort ernten.

Wo schneidet man ab?

Etwa 10 cm unter der Blume, schräg. Die Pflanze bleibt stehen und treibt Seitenröschen.

Wächst Brokkoli nach?

Ja. Nach der Hauptblume kommen über Wochen Seitenröschen, bei uns bis in den Oktober.

Muss ich die Blätter entfernen?

Nein, nur gelbe Blätter unten. Die Blätter versorgen die Blume.

Wächst Brokkoli im Hochbeet oder im Topf?

Im Hochbeet gut, mit 50 cm Abstand. Im Kübel braucht eine Pflanze mindestens 20 Liter Erde und täglich Wasser.

Geht Brokkoli ohne Netz?

Bei uns ja, mit blühendem Basilikum daneben. Bei starkem Kohlweißlingsdruck ist das Netz die sichere Wahl.

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