Radieschen anbauen: Aussaat, Pflege und Ernte in sechs Wochen

Inhaltsverzeichnis

Radieschen sind das schnellste Gemüse im Beet: sechs Wochen von der Aussaat bis zur Ernte, keine Anzucht, kein Dünger, kaum Platzbedarf. Deshalb sind sie unser Einsteigergemüse für alle, die zum ersten Mal säen, und das Lieblingsgemüse im Kinderbeet. Hier steht, wie wir Radieschen anbauen: im Frühjahr und im Herbst, im Hochbeet und im Freiland, unter Vlies gegen die Maden. Und was du tun kannst, wenn die Knollen holzig, scharf oder gar nicht rund werden.

Frisch geerntete Radieschen mit Laub auf der Wiese
Sechs Wochen nach der Aussaat: Radieschen aus unserem Garten.

Radieschen auf einen Blick

AussaatMärz bis April und August bis September im Freiland, Oktober im Gewächshaus. Bei mildem Wetter und unter Vlies schon ab Ende Februar.
AussaatartDirektsaat, nicht vorziehen, nicht pikieren
Saattiefe1 cm
Reihenabstand15 bis 25 cm
Abstand in der Reihe2 bis 3 cm, etwa 30 Korn pro Meter
Bodentemperatur zum Keimen6 bis 18 °C
Keimdauer1 bis 2 Wochen
Kulturdauer4 bis 6 Wochen, je nach Wetter
ErnteAnfang Mai bis Ende Oktober
Standortsonnig, lockerer Boden
NährstoffbedarfSchwachzehrer, eine Kompostgabe reicht
Saatgutmenge4 g sind rund 300 Korn, das reicht für 10 Meter Reihe
FamilieKreuzblütler, wie Kohl und Rettich. Anbaupause: vier Jahre nach Kohl

Wann Radieschen säen: Frühjahr und Herbst, nicht im Hochsommer

Das Aussaatfenster im Frühjahr geht von März bis April. Wenn das Wetter mitspielt und ein Vlies drüberliegt, säen wir die ersten Reihen schon Ende Februar. Die zweite Runde kommt im August und September, ab Oktober nur noch ins Gewächshaus oder unter den Folientunnel. Im Hochsommer lassen wir Radieschen weg: Bei Hitze und langen Tagen schießen sie, bilden also Blüten statt Knollen, und was doch noch wächst, wird pelzig und scharf.

Weil eine Reihe nach sechs Wochen abgeerntet ist, säen wir nie alles auf einmal. Alle zwei bis drei Wochen eine kurze Reihe, dann gibt es von Mai bis in den Herbst durchgehend frische Radieschen statt einer Schwemme im Mai.

Standort und Boden

Radieschen brauchen im Frühjahr einen Platz, der genug Sonne bekommt, damit die Pflanzen Wärme und Energie für die Knolle haben. Der Boden soll locker sein, mehr nicht: Radieschen sind Schwachzehrer, eine Gabe Kompost vor der Aussaat reicht für die ganze Kultur. Frischer Mist oder viel Stickstoff bringt nur Blätter und macht die Pflanzen anfällig für Schädlinge.

Im Hochbeet wachsen Radieschen bei uns am liebsten. Dort ist die Erde früh warm und locker. Einziger Haken: Das Hochbeet trocknet schneller aus, und Trockenheit ist das eine, was Radieschen wirklich übelnehmen. Dazu gleich mehr.

Radieschen aussäen: Schritt für Schritt

  1. Reihen ziehen. Abstand 15 bis 25 cm, etwa 1 cm tief. Radieschen kommen wie Möhren als Direktsaat ins Beet, vorziehen lohnt sich nicht.
  2. Dünn säen. Ein Korn alle 2 bis 3 cm, das sind rund 30 Korn auf den Meter. Stehen die Pflänzchen später doch zu dicht, einfach dazwischen ausdünnen. Die herausgezogenen Radieschen wandern mit Blatt in den Salat.
  3. Andrücken und feucht halten. Erde leicht andrücken, angießen und bis zur Keimung nicht austrocknen lassen. Bei 6 bis 18 °C Bodentemperatur zeigen sich die Keimblätter nach ein bis zwei Wochen.
  4. Vlies drüber. Wir spannen ein Gartenvlies über Bügel aus Elektro-Installationsrohr, die auf Eisenstangen stecken. Darunter entsteht ein Kleinklima, in dem Radieschen schneller keimen. Und das Vlies hält die Fliegen fern, deren Maden sich sonst durch die Knollen fressen.

Radieschen im Hochbeet, im Topf und auf dem Balkon

Radieschen wurzeln flach, deshalb funktionieren sie überall, wo mindestens 15 cm Erde sind: im Hochbeet, im Balkonkasten, im Kübel neben der Tomate. Im Hochbeet nutzen wir sie als Lückenfüller. Der Feldsalat steht dort über den Winter, bis März ist er abgeerntet, dann kommen die Radieschen in die freie Fläche. Sind die im Juni geerntet, ziehen die Buschbohnen ein.

Im Kasten und im Topf gilt dasselbe wie im Hochbeet, nur strenger: gleichmäßig gießen. Ein Balkonkasten in der Sonne ist an einem warmen Tag abends trocken, und jede Trockenphase schmeckst du später in der Knolle.

Pflege: Gießen ist die ganze Kunst

Gedüngt wird nach der Kompostgabe nicht mehr. Was zählt, ist Wasser: Radieschen wollen gleichmäßig feucht stehen. Werden sie zwischendurch trocken, werden sie scharf; bleiben sie länger trocken, werden sie holzig und pelzig. Wer es milder mag, gießt regelmäßig. Wer es scharf mag, darf es ruhig mal trocken werden lassen, einen Versuch ist es wert.

Sobald die Pflanzen etwas größer sind, mulchen wir das Beet mit Stroh. Das hält die Feuchtigkeit im Boden, gerade im Hochbeet, und spart Gießgänge.

Gute Nachbarn und Fruchtfolge

Radieschen sind verträgliche Gesellen. Im Frühjahr stehen bei uns Salate und Pflücksalate daneben, dazu Möhren, mit denen sie sich auch auf dem Teller vertragen. Gute Nachbarn sind außerdem Dill, Petersilie, Spinat, Erbsen, Bohnen, Kohlrabi und Blumenkohl. Nicht so gern stehen Radieschen neben Kartoffeln, Kürbis, Zucchini und Gurken.

Bei der Fruchtfolge zählt die Familie: Radieschen sind Kreuzblütler wie Kohl, Rettich und Rucola. Ein Beet, auf dem in den letzten vier Jahren Kohl stand, ist deshalb tabu. Sonst holen sich die Radieschen die Krankheiten und Schädlinge des Kohls ab, allen voran die Kohlhernie.

Radieschen ernten und aufbewahren

Geerntete Radieschen mit Erde an den Wurzeln
Die größten zuerst ernten, dann haben die kleineren Platz zum Nachwachsen.

Nach vier bis sechs Wochen schauen die ersten Knollen aus der Erde. Wir ernten die größten zuerst, dann haben die kleineren daneben Platz zum Nachwachsen. Zu lange warten lohnt sich nicht: Eine Knolle, die deutlich über drei Zentimeter geht, wird innen pelzig, und sobald die Pflanze einen Blütenstiel schiebt, ist die Knolle durch.

Radieschen sind Frischgemüse, kein Lagergemüse. Im Kühlschrank halten sie ohne Blätter in einem feuchten Tuch ein paar Tage. Wer mehr geerntet hat, als er essen kann, probiert das Fermentieren: Radieschen aus dem Glas schmecken ganz anders, und sie halten Wochen. Die Blätter sind übrigens essbar, jung im Salat, größer als Pesto oder in der Suppe.

Was die kleinen Kugeln so gesund macht, sind Senföle und Vitamin C. Rund 50 mg stecken in 100 g, bei etwa 14 Kilokalorien, dazu Folsäure, Eisen und Kalium. Schärfe und Gesundheit hängen an denselben Stoffen: Je schärfer das Radieschen, desto mehr Senföl.

Typische Probleme und was dahintersteckt

Radieschen keimen nicht

Meist war es zu kalt oder zu trocken. Unter 6 °C passiert wenig, und eine Saat, die nach dem Angießen austrocknet, kommt nicht mehr. Zu tief gesät ist der dritte Grund: 1 cm reicht.

Viel Blatt, keine Knolle

Zu dicht gesät, zu dunkel oder zu viel Stickstoff. Radieschen brauchen Abstand, Sonne und magere Erde. Wer nach der Aussaat noch düngt, bekommt schöne Blätter.

Radieschen werden holzig oder pelzig

Trockenheit, Hitze oder schlicht zu spät geerntet. Gleichmäßig gießen, im Hochsommer pausieren und mit drei Zentimetern Durchmesser ernten.

Radieschen sind zu scharf

Auch das ist Trockenstress. Die Schärfe kommt vom Senföl, das die Pflanze bei Stress vermehrt bildet. Regelmäßiges Gießen und eine Mulchdecke halten die Knollen mild.

Löcher in den Blättern

Erdflöhe. Die kleinen schwarzen Käfer springen bei Berührung weg und mögen es warm und trocken. Feucht halten, mulchen und ein Vlies drüber, dann verlieren sie das Interesse. Ein paar Löcher schaden der Knolle nicht.

Maden in der Knolle

Die Larven der Kohl- und Rettichfliege. Dagegen helfen zwei Dinge, die wir beide nutzen: früh säen, bevor die Fliegen ab Ende April unterwegs sind, und ein Vlies, das von der Aussaat bis zur Ernte liegen bleibt.

Radieschen schießen

Lange Tage und Wärme lösen die Blüte aus. Deshalb säen wir im Frühjahr und im Herbst, nicht von Juni bis Juli. Eine geschossene Pflanze kannst du stehen lassen: Die grünen Schoten schmecken im Salat, und aus den reifen Schoten gewinnst du Saatgut fürs nächste Jahr.

Unsere Radieschen-Sorten

Rundes rotes Radieschen der Sorte Sora mit Wurzel
Sora: rund, karminrot, bleibt lange fest.

Beide Sorten sind samenfest und bio-zertifiziert, du kannst also aus deiner eigenen Ernte wieder Saatgut gewinnen.

  • Radieschen Sora: das runde, karminrote Standard-Radieschen für Frühjahr und Herbst. Bleibt lange fest und zart, auch wenn die Kugel größer wird, würzig und nicht zu scharf. Aussaat März bis April und August bis September, im Oktober im Gewächshaus.
  • Eiszapfen Radieschen: weiß, 10 bis 17 cm lang und zylindrisch, mit feiner Schärfe. Wächst sehr schnell, nach rund 30 Tagen ist die erste Ernte da. Bei uns die Sorte für den Herbst: Aussaat August bis September, im Oktober im Gewächshaus.
  • Schwarzer Rettich: der große Verwandte für den Winter, gleiche Familie, gleiche Pflege, nur mehr Zeit und Platz.

Alle Wurzelgemüse findest du in der Kategorie Wurzelgemüse-Saatgut, nach Monaten sortiert im Aussaatkalender.

Eigenes Radieschen-Saatgut gewinnen

Radieschen sind einjährig: Lässt du ein paar der schönsten Pflanzen stehen, blühen sie im Sommer, und im Spätsommer sind die Schoten trocken. Dann ernten, ausreiben, trocken lagern, fertig. Zwei Dinge sind zu beachten: Radieschen kreuzen sich über Insekten mit anderen Radieschen- und Rettichsorten, die gleichzeitig blühen, also lieber nur eine Sorte blühen lassen. Und die Samenträger brauchen Platz, sie werden bis zu einem Meter hoch. Was samenfest genau bedeutet und wie du Saatgut sauber trocknest und beschriftest, steht im Ratgeber Samenfestes Saatgut.

Häufige Fragen

Wie lange brauchen Radieschen von der Aussaat bis zur Ernte?

Vier bis sechs Wochen, je nach Wetter. Die Keimung dauert ein bis zwei Wochen, danach geht es schnell.

Kann ich Radieschen im Sommer säen?

Wir machen es nicht. Von Juni bis Juli schießen Radieschen bei Hitze und langen Tagen. Besser sind März bis April und August bis September.

Wie tief und in welchem Abstand säe ich Radieschen?

1 cm tief, 2 bis 3 cm Abstand in der Reihe, 15 bis 25 cm zwischen den Reihen. Zu dicht gesäte Reihen einfach ausdünnen.

Vertragen Radieschen Frost?

Leichte Nachtfröste im Frühjahr stecken die Jungpflanzen weg, unter dem Vlies erst recht. Deshalb können die ersten Reihen bei uns schon Ende Februar in die Erde.

Warum werden meine Radieschen nicht rund?

Fast immer stehen sie zu dicht oder zu dunkel. Jede Pflanze braucht ihre 2 bis 3 cm und volle Sonne, sonst bleibt es beim Blatt.

Wachsen Radieschen im Topf auf dem Balkon?

Ja, ein Kasten mit gut 15 cm Tiefe reicht. Wichtig ist gleichmäßiges Gießen, im Topf trocknet die Erde viel schneller aus als im Beet.

Kann man Radieschenblätter essen?

Ja. Die jungen Blätter passen in den Salat, größere Blätter als Pesto oder in die Suppe. Auch die grünen Schoten geschossener Pflanzen sind essbar.

Weitere Beiträge

Zucchini gestreift
Anbau-Lexikon

Zucchini anbauen: ab Mitte April vorziehen, zu zweit auf einen Quadratmeter pflanzen, von Juni bis Oktober jung ernten

Zucchini ist das Gemüse, mit dem Gärtnern anfängt: ein Korn, ein warmer Platz, ein gut gefüttertes Beet, und ab Juni trägt die Pflanze so viel, dass man Nachbarn beschenkt. Dafür will sie drei Dinge, Wärme, Nährstoffe und eine zweite Zucchini neben sich für die Bestäubung. Hier steht, wie wir Zucchini anbauen, warum wir sie vorziehen, aber nicht pikieren, wie viel Platz sie wirklich braucht, warum wir die ersten Früchte immer

WEITERLESEN »
Mangold rot
Anbau-Lexikon

Mangold anbauen: von April bis August säen, Blatt für Blatt ernten, von Mai bis zum Frost

Mangold ist der Spinat für den Sommer: Er mag es warm, schießt nicht gleich bei der ersten Hitze und liefert von Mai bis zum ersten Frost immer wieder neue Blätter, wenn man die äußeren erntet und das Herz stehen lässt. Dazu ist er mit seinen roten, gelben, orangen und lila Stielen das schönste Gemüse im Beet, und in all den Jahren haben wir an ihm keinen einzigen Schädling gefunden. Hier

WEITERLESEN »