Weißkohl, Spitzkohl und Rotkohl anbauen: ab März vorziehen, auf einen halben Meter pflanzen, von Juni bis Dezember ernten

Inhaltsverzeichnis

Weißkohl ist die Königsdisziplin im Kohlbeet, und dabei gar nicht schwer: Er braucht Zeit, Platz, Sonne und ein gut gefüttertes Beet, dann wächst aus einem fingernagelgroßen Pflänzchen bis zum Herbst ein Kopf, der sich bis ins Frühjahr lagern lässt. Hier steht, wie wir Weißkohl anbauen, warum der klassische Fehler zu enges Pflanzen ist, wie wir Kohlfliege und Kohlweißling mit dem Netz und mit Kräutern fernhalten und wann der Kopf fürs Sauerkraut reif ist. Und weil im Garten drei Kopfkohle nebeneinander stehen, geht es auch um den schnellen Spitzkohl und den Rotkohl für den Winter.

Fester, hellgrüner Weißkohlkopf mit violett geäderten Hüllblättern von oben im Beet
Oktober: Dottenfelder Dauer, fest und reif fürs Lager.

Weißkohl auf einen Blick

AussaatEnde März bis Mitte Mai in Schalen vorziehen. Spitzkohl ab Mitte Januar im Haus, Rotkohl April bis Mai
Saattiefe0,5 bis 1 cm, in nährstoffarme Aussaaterde
Bodentemperatur zum Keimen15 bis 20 °C, danach kühler bei 10 bis 15 °C
Pikierenja, sobald das zweite Blattpaar da ist, in größere Töpfchen, bis zu den Keimblättern tiefer setzen
PflanzungEnde April bis Anfang Juli, Reihen 60 cm, in der Reihe 50 cm. Spitzkohl 50 x 50 cm ab März
KulturdauerWeißkohl 24 bis 26 Wochen ab Aussaat, Rotkohl 20 bis 24, Spitzkohl 10 bis 12 Wochen ab Pflanzung
ErnteWeißkohl Ende August bis Oktober, Rotkohl Oktober bis Dezember, Spitzkohl Ende Mai bis Oktober
Standortsonnig, nährstoffreicher Boden, vier Jahre nicht nach Kohl
NährstoffbedarfStarkzehrer, Beet mit Kompost, Urgesteinsmehl und Kleedünger vorbereiten, kein Pferdemist
SchutzGemüseschutznetz ab der Pflanzung gegen Kohlfliege und Kohlweißling
Frostleichte Fröste ja, gefrorene Köpfe nicht ernten. Vor Dauerfrost ins Lager
Saatgutmenge0,15 g sind rund 30 Pflanzen, Spitzkohl und Rotkohl 0,2 g

Drei Kopfkohle für ein Gartenjahr

Weißkohl, Spitzkohl und Rotkohl sind dieselbe Art in drei Formen: Alle bilden aus eng anliegenden Blättern einen festen Kopf, alle wollen dasselbe Beet, dieselbe Pflege und dasselbe Netz. Unterschiedlich ist das Tempo. Unser Spitzkohl Chateaurenard ist der schnelle: wüchsig, kurzstrunkig, mit zarten hellgrünen Blättern und kompakten, spitzen Köpfen von 800 bis 1.000 g, die schon zehn bis zwölf Wochen nach der Pflanzung reif sind, vom Frühjahr bis in den Herbst, früh auch im Folienhaus. Der Rote Spitzkohl ist seine mild-süße, lockere Schwester mit bis zu 1,5 kg schweren Köpfen, roh besonders gut. Der Weißkohl Dottenfelder Dauer ist der Lagerkohl: eine späte Sorte aus der biologisch-dynamischen Züchtung mit mittelgroßen, sehr festen Köpfen, die den Winter über halten und je nach Abstand richtig groß und schwer werden. Und der Rotkohl Amarant ist der knackige Wintergast, hochoval, mit kurzem Strunk, süß-aromatisch und nicht scharf, ab Oktober bis in den Dezember erntbar. Alle vier sind samenfest.

Aussaat: ab Ende März vorziehen

Die Voranzucht beginnt bei uns Ende März und zieht sich bis Mitte Mai, den Spitzkohl säen wir für die frühe Ernte schon ab Mitte Januar im Haus und dann versetzt bis Juni, weil er so gleichmäßig reift, dass sonst alle Köpfe auf einmal fertig sind. Gesät wird in nährstoffarme Aussaaterde, bei uns aus der Dampfschubkarre, 0,5 bis 1 cm tief, bei 15 bis 20 °C. Nach der Keimung stellen wir die Pflänzchen kühler, 10 bis 15 °C reichen ihnen, so bleiben sie gedrungen. Wer ab April draußen vorzieht, was wir durchaus tun, stellt die Schalen unter ein Netz: Die Kohlfliege ist dann schon unterwegs, legt ihre Eier an den Fuß der Pflänzchen, und die Maden fressen die Wurzeln. Das wäre zu schade um die Arbeit, denn Kohl braucht lange, bis er überhaupt in Schwung kommt.

Pikieren: tiefer setzen, nährstoffreicher

Sobald das zweite, schon kohltypische Blattpaar zu sehen ist, wird pikiert, in größere Töpfchen und deutlich tiefer, bis zu den Keimblättern, genau wie bei den Tomaten. Als Erde nehmen wir entweder wieder Aussaaterde und düngen später flüssig nach, oder gleich eine Mischung halb Aussaaterde, halb gute Komposterde, denn der Kohl ist ein Starkzehrer und darf jetzt zulangen. Nach vier bis fünf Wochen stehen kräftige Jungpflanzen mit festem Ballen bereit.

Frisch gepflanzte Kohljungpflanzen in einem gemulchten Beet werden mit der Gießkanne angegossen
April: Das neue Kohlbeet, gemulcht, angegossen, gleich kommt das Netz darüber.

Pflanzen: ein halber Meter ist kein Fehler

Die Ende März gesäten Pflanzen kommen Ende April ins Freiland, später gesäte bis Anfang Juli. Das Beet wird vorher für einen Starkzehrer vorbereitet: Urgesteinsmehl und Kompost oder Kleedünger nach Packungsangabe einarbeiten, auf Pferdemist verzichten wir bei Kohl, er lockt Schädlinge an. Dann kommt der Punkt, an dem die meisten Kohlbeete scheitern: der Abstand. Die Jungpflanzen sind so klein, dass man sich kaum vorstellen kann, wie riesig sie werden, und setzt sie zu eng. Wir pflanzen in Reihen mit 60 cm Abstand und lassen in der Reihe tatsächlich 50 cm, einen halben Meter, der Spitzkohl bekommt 50 x 50 cm. Gepflanzt wird wieder etwas tiefer, bis zu den untersten Blättern, dann angegossen und mit Rasenschnitt gemulcht. Und dann kommt das Netz darüber.

Netz und Kräuter gegen Kohlfliege und Kohlweißling

Kohlfliege, Kohlweißling, Erdflöhe: Am Kohl sind immer Gäste unterwegs. Wir bauen ihn deshalb grundsätzlich unter einem Gemüseschutznetz an. Das sieht nicht idyllisch aus, aber es funktioniert, und es erspart das Absammeln der Raupen. Dazu kommt die Mischkultur mit intensiv duftenden Pflanzen: Thymian und Gewürztagetes zwischen den Reihen verwirren die Falter, und auch eine Freilandtomate oder Rote Bete als Nachbarin tut dem Kohl gut. Was nicht hilft, sind Salbei und Zitronenmelisse allein, so viel kann man gar nicht pflanzen, um einen Falterschwarm abzuhalten. Nicht neben Kohl gehören Zwiebeln, Kartoffeln und andere Kohlgewächse, und nach Kohl, Kohlrabi, Radieschen oder Rettich sollte das Beet vier Jahre lang kohlfrei bleiben, sonst droht die Kohlhernie.

Pflege: Wasser im Hochsommer, sonst mulcht er sich selbst

Wird der Sommer trocken, muss auch der Weißkohl gegossen werden, besonders solange die Pflanzen klein sind und wenn sich die Köpfe bilden. Mulch mit Rasenschnitt hält die Feuchtigkeit und düngt nebenbei. Später erledigt der Kohl das selbst: Seine Blätter werden so groß, dass sie den Boden komplett beschatten. Nachgedüngt wird nicht, wenn das Beet gut vorbereitet war, bei blassen Blättern hilft Brennnesseljauche. Nach Regen auf Trockenheit platzen reife Köpfe gern auf, deshalb lieber gleichmäßig wässern und reife Köpfe nicht zu lange stehen lassen.

Hellgrüner Spitzkohlkopf mit großen, zarten Umblättern, frisch geerntet auf Stein
Juni: Spitzkohl Chateaurenard, zehn Wochen nach der Pflanzung schon fertig.

Spitzkohl: der schnelle für Frühjahr und Sommer

Der Spitzkohl ist der Kopfkohl für Ungeduldige. Ab Mitte Januar im Haus gesät, ab März unter Vlies oder ins Folienhaus gepflanzt, steht Ende Mai der erste Kopf auf dem Tisch, und wer bis Juni versetzt nachsät und bis Ende Juli pflanzt, erntet bis Oktober. Weil er gleichmäßig abreift, sollte er zügig geerntet werden, sonst platzt er oder schießt. Lagern lässt er sich nicht, dafür schmeckt er fein und süß, roh als Krautsalat mit Lauchzwiebel, Essig und Öl, wie ihn Anni in der Selbstversorgerküche gemacht hat, oder kurz gedünstet. Der Rote Spitzkohl braucht drei bis vier Monate und bringt lockere Köpfe von anderthalb Kilo mit zarten, mild-süßen Blättern.

Rotkohlkopf mit dunkelroten, blau bereiften Hüllblättern und Regentropfen im Beet
November: Rotkohl Amarant nach dem Regen, der Kopf ist fest und hochoval.

Rotkohl: der Wintergast

Rotkohl säen wir im April oder Mai vor, pikieren und pflanzen ihn wie den Weißkohl auf 60 x 50 cm. Er braucht 20 bis 24 Wochen ab der Aussaat, die ersten Köpfe ernten wir Anfang Oktober, die letzten im Dezember, und im kühlen Lager hält der Amarant bis in den Winter. Der kurze Innenstrunk macht ihn in der Küche dankbar, der Geschmack ist süß-aromatisch ohne Schärfe: sehr dünn geraspelt mit dunklem Balsamico und Salz, leicht gestampft, ist er die beste Rohkost im Winter, und mit Äpfeln geschmort der Klassiker zu den Feiertagen.

Ernte: ab Ende August, nicht bei Frost

Die Weißkohlernte beginnt bei uns Ende August mit den ersten festen Köpfen und zieht sich in den Oktober, die Lagerköpfe der Dottenfelder Dauer nehmen wir zuletzt, Ende September bis Ende Oktober, wenn sie fest und schwer sind. Zum Ernten den Kopf mit dem Messer über den äußeren Blättern abschneiden, fürs Lager mit Strunk und zwei, drei Hüllblättern. Leichte Fröste machen dem Kohl nichts, er wird sogar süßer, aber gefroren ernten wir ihn nicht: Wir warten, bis es wieder milder ist, sonst leidet die Zellstruktur und der Kopf hält nicht. Vor Dauerfrost kommt alles herein.

Lagern: Köpfe mit Strunk, kühl und feucht

Weißkohl und Rotkohl lagern am besten bei null bis zwei Grad und hoher Luftfeuchte, im kühlen Keller, in der Erdmiete oder im unbeheizten Schuppen, kopfüber am Strunk aufgehängt oder locker in Kisten, nicht übereinander. Feste, unverletzte Köpfe mit Hüllblättern halten so bis Februar oder März, äußere Blätter, die welken, werden einfach abgezupft. Wer keinen Platz hat, verarbeitet den Überschuss gleich: Im Glas hält der Kohl als Sauerkraut ein Jahr.

In der Küche: Krautsalat, Schmorkohl, Sauerkraut

Frisch geraspelt wird Weißkohl zum Krautsalat, geschmort zu Kohlrouladen, Kohleintopf und Pfannenkohl, und für Sauerkraut ist die Dottenfelder Dauer wie gemacht: fein gehobelt, mit einem Prozent Salz geknetet und in Gläsern vier bis sechs Wochen vergoren, wie wir es in Sauerkraut herstellen, selber zeigen. Das geht übrigens genauso mit Spitzkohl, Wirsing und Rotkohl. Spitzkohl ist der zarte für Salat und Wok, Rotkohl der für Rohkost mit Balsamico und für den Schmortopf mit Äpfeln.

Typische Probleme und was dahintersteckt

Die Jungpflanzen welken und lassen sich leicht herausziehen

Maden der Kohlfliege an den Wurzeln. Pflanzen entfernen, Voranzucht und Beet von Anfang an unter Netz, Kragen aus Pappe um den Stängel helfen zusätzlich.

Löcher in den Blättern, grüne Raupen

Kohlweißling. Raupen absammeln, Netz ab der Pflanzung, duftende Kräuter dazwischen.

Viele kleine Löcher in den jungen Blättern

Erdflöhe. Jungpflanzen feucht halten, kräftig pflanzen, Netz.

Die Köpfe bleiben klein und locker

Zu eng gepflanzt, zu wenig Sonne oder zu wenig Nahrung. Einen halben Meter Abstand, sonniger Platz, Beet mit Kompost und Kleedünger vorbereiten.

Die Köpfe platzen auf

Regen nach Trockenheit, meist bei reifen Köpfen. Gleichmäßig wässern, reife Köpfe ernten, notfalls den Kopf leicht drehen, um die Wurzeln zu bremsen.

Kümmernde Pflanzen mit verdickten Wurzeln

Kohlhernie. Beet vier Jahre für die ganze Kohlfamilie meiden, Boden nicht sauer werden lassen.

Die Köpfe faulen im Lager

Verletzt, zu warm oder zu dicht gelagert, oder gefroren geerntet. Nur feste, unverletzte Köpfe mit Hüllblättern einlagern, luftig, null bis zwei Grad.

Unsere Sorten

Alle Kohle findest du in der Kategorie Kohlgemüse, die Aussaatzeiten im Aussaatkalender. Warum wir nur samenfestes Saatgut führen, steht im Ratgeber.

Mehr zum Kopfkohl

Häufige Fragen

Wann Weißkohl säen?

Ende März bis Mitte Mai in Schalen vorziehen. Spitzkohl ab Mitte Januar im Haus und versetzt bis Juni, Rotkohl April bis Mai.

Wann Weißkohl pflanzen und wie tief?

Ende April bis Anfang Juli, bis zu den untersten Blättern tief, mit Netz darüber. Spitzkohl ab März unter Vlies.

Welcher Abstand?

Reihen 60 cm, in der Reihe 50 cm. Spitzkohl 50 x 50 cm. Zu eng ist der häufigste Fehler.

Wann Weißkohl ernten?

Ab Ende August, wenn der Kopf fest ist, Lagerköpfe Ende September bis Ende Oktober. Spitzkohl ab Ende Mai, Rotkohl Oktober bis Dezember.

Verträgt Weißkohl Frost?

Leichte Fröste ja, er wird sogar süßer. Gefrorene Köpfe nicht ernten, sondern Tauwetter abwarten. Vor Dauerfrost einlagern.

Wie lagere ich Weißkohl?

Mit Strunk und Hüllblättern bei null bis zwei Grad, feucht und luftig, hängend oder locker in Kisten. So hält er bis Februar oder März.

Kann ich Weißkohl noch im August pflanzen?

Für Weißkohl und Rotkohl ist Anfang Juli der späteste Termin. Im August geht nur noch schneller Spitzkohl, und auch der wird vor dem Winter knapp.

Wächst Weißkohl im Hochbeet oder Kübel?

Im Hochbeet sehr gut, sonnig und gut gefüttert, aber mit dem vollen Abstand. Im Kübel ab 30 Liter je Pflanze, dann regelmäßig gießen und düngen.

Welche Nachbarn passen zum Weißkohl?

Thymian, Gewürztagetes und andere duftende Kräuter, Rote Bete, Freilandtomate, Buschbohnen, Salat, Spinat. Nicht neben Zwiebeln, Kartoffeln und anderem Kohl.

Wie schwer wird ein Spitzkohl?

Der Chateaurenard 800 bis 1.000 g, der Rote Spitzkohl bis 1,5 kg.

Warum platzen meine Kohlköpfe?

Nach Trockenheit kommt Regen, der Kopf wächst von innen schneller als außen. Gleichmäßig gießen und reife Köpfe nicht stehen lassen.

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