Rosenkohl ist der Kohl mit dem längsten Atem: im Mai gesät, im Juni gepflanzt, und dann wächst er ein halbes Jahr lang zu einer mannshohen Säule voller Röschen heran, die wir von November bis März ernten, bei Schnee und Frost. Die Arbeit steckt am Anfang, in der Anzucht und im richtigen Platz, danach will er nur Wasser, eine Portion Futter im August und Ruhe. Hier steht, wie wir Rosenkohl anbauen, warum er ein halber Meter Abstand braucht, ob man ihn entspitzen muss, wie wir mit Thymian und Tagetes ohne Netz auskommen und was den lila Rosenkohl anders macht.

Rosenkohl auf einen Blick
| Aussaat | April bis Mai, lila Sorte März bis April. Im Juni ist es zu spät |
|---|---|
| Saattiefe | 0,5 bis 1 cm |
| Bodentemperatur zum Keimen | 15 bis 20 °C, Keimdauer ein bis zwei Wochen |
| Pikieren | ja, nach zwei bis drei Wochen, bis zu den Keimblättern tiefer |
| Pflanzung | Mitte Mai bis Mitte Juni, 50 cm in der Reihe, Reihen 60 cm |
| Kulturdauer | rund 160 Tage ab Pflanzung, lila Sorte 30 Wochen ab Aussaat |
| Ernte | Mitte November bis März, nach dem ersten Frost am mildesten |
| Standort | volle Sonne, humoser, gleichmäßig feuchter Boden |
| Nährstoffbedarf | Starkzehrer |
| Frost | winterhart bis minus 15 °C, darunter Vlies |
| Saatgutmenge | 0,2 g sind rund 30 Pflanzen |
Aussaat: im Mai, nicht später
Rosenkohl braucht ein halbes Jahr, deshalb ist der Zeitpunkt knapp bemessen: Wir säen im Mai, bei einem nicht optimalen Standort schon ab Mitte April, und im Juni ist es zu spät für dicke Röschen. Gesät wird in Aussaaterde, 0,5 bis 1 cm tief, bei 15 bis 20 °C, die Schalen stehen draußen im Carport. Eine Direktsaat ins Beet ginge ab Mai, wir machen es trotzdem nicht: Schnecken und Tauben haben bei uns zu viel Appetit auf Keimlinge, und die Anzucht erlaubt die Auswahl der schönsten, vitalsten Pflanzen, was besonders zählt, wenn man später Saatgut gewinnen will.
Zwei bis drei Wochen nach der Aussaat pikieren wir in Komposterde und setzen die Keimlinge tiefer, bis zu den Keimblättern. Weil das Beet im Mai oft noch vom Spinat belegt ist, topfen wir die Jungpflanzen ein zweites Mal in größere Gefäße um, dort warten sie, bis Platz ist.
Pflanzen: sehr sonnig und ein halber Meter Platz
Rosenkohl braucht zwei Dinge, an denen sich nicht sparen lässt: volle Sonne und Platz. Die Pflanzen werden hoch und breit, in einem Beet von 1,20 bis 1,50 m Breite passen nur zwei Reihen. Wir pflanzen von Mitte Mai bis Mitte Juni mit 50 bis 60 cm Abstand in der Reihe und 60 cm zwischen den Reihen. Mit 40 cm haben wir es probiert, da bekamen die Pflanzen zu wenig Licht und Nährstoffe und die Blätter wurden früh gelb. Als Starkzehrer bekommt er ein vorbereitetes Beet mit Kompost, Kleedünger und Urgesteinsmehl, angegossen mit effektiven Mikroorganismen. Pferdemist nehmen wir bei Kohl nicht, wir haben den Eindruck, dass er die Kohlfliege anlockt. Gepflanzt wird wieder etwas tiefer als im Topf, danach mulchen, und an windigen Stellen spannen wir eine Schnur, an der sich die Säulen später anlehnen.
Pflege: Wasser, Futter im August und die Frage nach den Blättern
Rosenkohl will gleichmäßig feucht stehen, der Mulch aus Rasenschnitt hält das Wasser im Boden und setzt nebenbei Stickstoff frei. In der Hauptwachstumszeit im August und September düngen wir nach, flüssig, mit Brennnessel- oder Beinwelljauche oder einem Gemüseflüssigdünger. Die unteren Blätter werden im Laufe des Sommers gelb und fallen ab, die nehmen wir weg, damit Luft an die Röschen kommt. Mehr Blätter entfernen wir nicht, sie sind das Kraftwerk der Pflanze.
Entspitzen heißt, Anfang September die Endknospe oben an der Pflanze herauszubrechen. Die Pflanze steckt ihre Kraft dann in die vorhandenen Röschen, die werden größer und reifen gleichmäßiger, und die Ernte beginnt früher. Wer im Dezember alles auf einmal ernten will, zum Beispiel zum Einfrieren, sollte das tun. Wir lassen die Spitze dran: Unser Rosenkohl bleibt den ganzen Winter im Beet, wir ernten nach Bedarf, und die Spitze schützt die oberen Röschen vor Frost.
Ohne Netz: Thymian und Tagetes gegen den Kohlweißling
Kohl ohne Netz ist bei uns sonst undenkbar, beim Rosenkohl hat ein Versuch funktioniert: Zwischen den Pflanzen wachsen viel Thymian und Gewürztagetes, die duften so stark, dass der Kohlweißling, der große und der kleine, kaum landet. Der Befall ließ sich damit eindämmen, und seitdem empfehlen wir die Mischung mit duftenden Kräutern und Blumen. Wer lieber das Netz nimmt, legt es direkt nach der Pflanzung auf und kontrolliert vorher jede Pflanze auf Eier und Raupen, sonst sperrt man den Schädling mit ein. Gegen die Kohlfliege hilft ohnehin nur das Netz, und gegen Tauben und Schnecken an den Jungpflanzen Kragen, Bretter und ein wachsames Auge.
Gute Nachbarn und Fruchtfolge
Rosenkohl steht gern mit Erbsen, Gurken, Sellerie und Spinat. Neben anderem Kohl soll er angeblich nicht, bei uns stand er mit 60 bis 70 cm Abstand neben dem Winterwirsing, aufgebaut wie eine Treppe, der niedrigere Wirsing vorn, der Rosenkohl dahinter, und das hat wunderbar funktioniert. Vorkultur ist bei uns oft der Spinat, danach bekommt das Beet Jauche und Urgesteinsmehl. Nach dem Rosenkohl im März kommen Erbsen oder Dicke Bohnen, und wie bei allem Kohl gilt: vier Jahre Pause auf demselben Beet.
Ernte: nach dem ersten Frost, von unten nach oben
Mitte November geht es los, nach dem ersten Frost schmecken die Röschen mild und süß, weil die Pflanze Stärke in Zucker umwandelt. Wir ernten von unten nach oben, immer die festen, geschlossenen Röschen, die man mit einem Ruck nach unten abdreht, und lassen die oberen weiterwachsen. So trägt eine Pflanze bis in den März. Frost bis minus 15 °C hat unser Rosenkohl ohne Schutz überstanden, wird es kälter, legen wir ein Vlies über die Reihen. Gefroren ernten wir nicht, lieber warten, bis die Röschen bei Tauwetter wieder weich sind. Die Blattrosette oben am Stängel ist übrigens essbar, wie Grünkohl gedünstet.
Zum Lagern schneiden wir ganze Stängel ab und stellen sie in den kalten Keller, dort halten die Röschen zwei, drei Wochen, im Kühlschrank eine Woche. Zum Einfrieren werden sie geputzt, kurz blanchiert und portionsweise eingefroren. Gedämpft und pur mag sie unsere Tochter am liebsten, dazu kommen Auflauf, Suppe und Pfanne mit Kartoffeln, die Rezepte stehen unten.

Lila Rosenkohl: Rubine braucht einen Vorsprung
Der lila Rosenkohl Rubine ist eine alte Sorte mit kleineren, tiefrot-violetten Röschen, die ihre Farbe beim Garen weitgehend behalten. Er wächst langsamer und höher als der grüne und braucht rund 30 Wochen von der Aussaat bis zur Ernte, deshalb säen wir ihn früher, im März oder April, und pflanzen etwa fünf Wochen nach der Saat. Alles andere läuft wie beim grünen. Nach dem ersten Frost schmeckt er nussig und mild. In der Küche gart er kürzer als grüner Rosenkohl, und ein Spritzer Zitrone oder Essig im Kochwasser hält die Farbe. Bei uns stehen beide Sorten, der grüne für die Menge, der lila für den Teller.

Typische Probleme und was dahintersteckt
Lockere, offene Röschen
Zu warm, zu wenig Sonne, zu eng oder zu spät im Jahr noch Stickstoff. Platz, Sonne und ab Oktober nicht mehr düngen.
Im Herbst noch keine Röschen
Zu spät gesät oder gepflanzt. Rosenkohl braucht ab Mai seine 160 Tage, im Juni gesät wird es nichts mehr.
Gelbe Blätter unten
Die untersten dürfen gelb werden. Vergilbt die halbe Pflanze, steht sie zu eng oder hat Hunger, dann Jauche.
Die Pflanze kippt um
Hoch, schwer und windig. Beim Pflanzen tiefer setzen, anhäufeln, eine Schnur oder einen Stab zur Stütze.
Löcher in den Blättern, Raupen in den Röschen
Kohlweißling oder Kohleule. Absammeln, Thymian und Tagetes dazwischen, bei starkem Druck das Netz.
Graue Läuse in den Röschen
Die mehlige Kohlblattlaus. Befallene Röschen abmachen, mit Wasser abspritzen, Netz ab dem Sommer und Marienkäfer fördern.
Die Pflanze welkt trotz Wasser
Kohlfliege oder Kohlhernie. Ausgraben und nachsehen: Maden heißt Netz, Knollen an den Wurzeln heißt vier Jahre kein Kohl.
Unsere Sorten
- Rosenkohl Idemar: flotte, mittelfrühe Sorte mit gleichmäßigem Besatz aus runden Röschen, mild im Geschmack, rund 160 Tage ab Pflanzung, Ernte ab Mitte November. Samenfest und bio, 0,2 g sind rund 30 Pflanzen.
- Lila Rosenkohl Rubine: alte Sorte mit tiefrot-violetten Röschen, wächst langsam und hoch, deshalb im März oder April säen. Ernte nach rund 30 Wochen.
Alle Kohlarten findest du in der Kategorie Kohlgemüse, die Aussaatzeiten im Aussaatkalender. Warum wir nur samenfestes Saatgut führen, steht im Ratgeber.
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Häufige Fragen
Wann Rosenkohl säen?
Im April oder Mai, die lila Sorte schon im März oder April. Im Juni ist es zu spät.
Wann Rosenkohl pflanzen?
Von Mitte Mai bis Mitte Juni, nach dem Pikieren und einmal Umtopfen.
Welcher Abstand?
50 cm in der Reihe, 60 cm zwischen den Reihen. Enger gibt gelbe Blätter und kleine Röschen.
Wie lange bis zur Ernte?
Rund 160 Tage ab Pflanzung, bei der lila Sorte 30 Wochen ab Aussaat.
Muss ich die Blätter entfernen?
Nur die unteren, die gelb werden. Die grünen Blätter bleiben, sie ernähren die Röschen.
Was heißt Rosenkohl entspitzen?
Anfang September die Endknospe oben ausbrechen. Die Röschen werden größer und reifen gleichzeitig. Wer den Winter über nach Bedarf ernten will, lässt die Spitze dran.
Wann Rosenkohl ernten?
Ab Mitte November nach dem ersten Frost bis März, von unten nach oben.
Verträgt Rosenkohl Frost?
Ja, bis minus 15 °C ohne Schutz. Frost macht die Röschen süßer. Darunter ein Vlies.
Wächst Rosenkohl im Hochbeet oder Topf?
Im Hochbeet ja, mit Stütze gegen Wind. Im Topf braucht eine Pflanze mindestens 30 Liter Erde.
Warum sind meine Röschen locker?
Zu warm, zu dunkel, zu eng oder zu spät gedüngt. Sonne, Platz und ab Oktober kein Dünger.


