Grünkohl und Palmkohl anbauen: im Mai vorziehen, im Juni pflanzen, von Oktober bis März Blatt für Blatt ernten

Inhaltsverzeichnis

Grünkohl ist das Gemüse, das erst richtig gut wird, wenn alles andere im Garten längst abgeräumt ist: Ab Oktober ernten wir die ersten Blätter, nach dem ersten Frost werden sie süß, und bis März wachsen am Strunk immer neue nach. Dafür braucht er im Sommer ein gut gefüttertes Beet, viel Sonne und ein wachsames Auge auf die Weiße Fliege. Hier steht, wie wir Grünkohl anbauen, warum wir ihn ohne Netz und ohne Gift durch den Sommer bringen, wie die Ernte Blatt für Blatt funktioniert und was es mit dem Palmkohl auf sich hat, seinem dunklen Bruder aus der Toskana.

Dicht gekräuselte, dunkelgrüne Grünkohlblätter mit einer Schicht Raureif
November: Nach der ersten Frostnacht schmeckt der Westländer Winter am besten.

Grünkohl auf einen Blick

AussaatMai in Schalen vorziehen, Palmkohl ab April. Möglich bis Juni
Saattiefe0,5 bis 1 cm, in nährstoffarme Aussaaterde
Bodentemperatur zum Keimen15 bis 20 °C, Keimdauer rund eine Woche
Pikierenja, zwei bis drei Wochen nach der Keimung in Töpfchen mit Komposterde, tiefer setzen
PflanzungAnfang Juni bis Mitte Juli, Reihen 40 bis 75 cm, in der Reihe 40 cm, wieder etwas tiefer setzen
Kulturdauer16 bis 20 Wochen ab Pflanzung, Palmkohl 12 bis 16
ErnteOktober bis März, Blatt für Blatt von unten nach oben
Standortso sonnig wie möglich, nährstoffreicher Boden, nicht nach Kohl
NährstoffbedarfStarkzehrer, Beet mit Kompost und Kleedünger vorbereiten, kein Pferdemist, bei Bedarf Brennnesseljauche
Frostfrosthart, bleibt den Winter über im Beet. Palmkohl braucht keinen Frost, verträgt ihn aber
Saatgutmenge0,3 g sind rund 60 Pflanzen, Palmkohl 0,2 g rund 40 Pflanzen

Westländer Winter und Nero di Toscana: zwei Kohle, die keinen Kopf bilden

Grünkohl und Palmkohl sind Blattkohle: Sie bilden keinen Kopf, sondern einen Strunk, an dem die Blätter wie an einer kleinen Palme nach oben wachsen. Unser Grünkohl Westländer Winter ist die klassische norddeutsche Sorte, halbhoch, robust und frosthart, mit fein gekräuselten, dunkelgrünen Blättern, die nach den ersten Frösten süß und aromatisch werden. Der Palmkohl Nero di Toscana, auch Schwarzkohl genannt, trägt lange, blaugrün bereifte, blasig gekräuselte Blätter, schmeckt ein wenig nach Brokkoli und ist so dekorativ, dass er auch im Vorgarten stehen darf. Beide sind samenfest, beide kommen aus demselben Tütchen Pflege, und beide ernten wir denselben Winter lang.

Aussaat: im Mai vorziehen, nicht im Beet

Grünkohl ziehen wir im Mai in Schalen vor, den Palmkohl schon ab April. Gesät wird in nährstoffarme Aussaaterde, nur 0,5 bis 1 cm tief, mit Erde bedeckt und angegossen. Bei 15 bis 20 °C keimen die Samen innerhalb einer Woche. Später als Juni sollte es nicht werden, denn der Kohl braucht nach der Pflanzung 16 bis 20 Wochen, bis die ersten Blätter erntereif sind. Wer im August oder September sät, bekommt zwar kleine Pflanzen, aber keine Ernte mehr vor dem Winter.

Pikieren: tiefer setzen, nährstoffreich

Zwei bis drei Wochen nach der Keimung sind die Pflänzchen groß genug zum Pikieren. Sie kommen einzeln in Töpfchen von etwa 8 x 8 cm, und zwar in Komposterde oder gekaufte Gemüseerde, denn ab jetzt braucht der Kohl Nährstoffe. Beim Pikieren setzen wir die Pflänzchen tiefer, als sie standen, bis knapp unter die Keimblätter, so bilden sie einen festen Stand. Wo Kohlfliege und Kohlweißling viel Druck machen, stehen die Jungpflanzen in dieser Zeit am besten unter einem Netz.

Pflanzen: ab Juni auf 40 Zentimeter

Von Anfang Juni bis Mitte Juli kommen die Jungpflanzen ins Beet, gern dorthin, wo gerade Spinat oder Salat abgeerntet sind. Nicht dorthin, wo im selben Jahr schon Kohlrabi, Spitzkohl oder anderer Kohl stand. Der Abstand ist großzügig, 40 cm in der Reihe und 40 bis 75 cm zwischen den Reihen, und beim Pflanzen setzen wir den Kohl noch einmal etwas tiefer. Das Beet wird vorher für einen Starkzehrer vorbereitet: Kompost und Kleedünger einarbeiten, auf Pferdemist verzichten wir bei Kohl ganz, unserer Erfahrung nach lockt er zusätzlich Schädlinge an.

Junge Grünkohlpflanze von oben mit hellgrünem, kraus gewelltem Herz und dunkleren Außenblättern
August: acht Wochen nach der Pflanzung ist das Herz schon handtellergroß.

Standort: Sonne, Sonne, Sonne

Grünkohl steht wie alle Kohle am liebsten in der vollen Sonne. Wir haben ihn einmal halbschattig angebaut, mit klarem Ergebnis: mehr Schädlinge, lange, dünne Pflanzen, die in die Höhe schossen und gestützt werden mussten. Wenn es also irgendwie geht, bekommt der Grünkohl den sonnigsten Platz im Herbstbeet. Der Boden darf nährstoffreich und nicht zu leicht sein, im Hochbeet fühlt er sich wohl, im Kübel braucht er mindestens 20 Liter je Pflanze.

Mischkultur statt Netz

Damit wir den Grünkohl im Beet ohne Netz anbauen können, setzen wir auf bunte Mischkultur: Zwischen die Kohlpflanzen kommen Anis-Ysop, Gewürztagetes und andere intensiv duftende Kräuter, deren Geruch die Schädlinge vom Kohl ablenkt. Gern steht der Grünkohl außerdem mit Hülsenfrüchten, Spinat, Gurken, Salat und Tomaten zusammen. Nicht so gern mit Zwiebelgewächsen, Kartoffeln und anderen Kohlgewächsen. Und wie für die ganze Kohlfamilie gilt die Fruchtfolge: Nach Kohl, Kohlrabi, Radieschen oder Rettich sollte vier Jahre lang kein Kohl mehr auf dasselbe Beet, sonst droht die Kohlhernie.

Pflege und Düngung

Nach dem Anwachsen will der Grünkohl vor allem gleichmäßig Wasser und einen Boden, der nicht verkrustet, also mulchen wir, sobald die Pflanzen eingewurzelt sind. Reicht der Vorrat im Beet nicht, sieht man es an blassen, kleinen Blättern. Dann düngen wir nach, am liebsten mit Brennnesseljauche. Ein zu stark gedüngter Grünkohl wird dagegen weich und anfällig, deshalb lieber das Beet vorher gut füttern als im Sommer viel nachlegen.

Weiße Fliege, Kohlweißling und Co.

Der Kohlweißling ist beim Grünkohl erstaunlicherweise kein großes Problem: Er meidet die gekräuselten Blätter und sucht sich lieber einen Kopfkohl. Die Weiße Fliege dagegen liebt den Grünkohl. Sie sitzt in Wolken an den Blattunterseiten, und auch Netze halten sie nicht wirklich fern. Was bei uns hilft: Wir brechen die unteren Blätter regelmäßig ab und ernten den Kohl von unten nach oben, so bleibt der Befall in Schach. Ganz verschwinden wird sie nicht, aber die Blätter werden bei der Ernte eine Weile in Salzwasser gelegt und danach abgewaschen, und dann ist der Grünkohl sauber. Gegen Kohlfliege und Erdflöhe an den Jungpflanzen hilft das Netz in den ersten Wochen, gegen Kohlhernie nur die Fruchtfolge.

Ernte: von Oktober bis März, Blatt für Blatt

Ab Oktober beginnt die Ernte, und sie geht den ganzen Winter: Wir nehmen immer die unteren, größten Blätter und arbeiten uns am Strunk nach oben. Überall, wo ein Blatt abgenommen wurde, wachsen oben kleine Blätter nach, zart und süß, die besten zum Snacken beim Gang durch den Garten. Grünkohl schmeckt schon vor dem Frost, aber nach den ersten kalten Nächten wird er spürbar süßer, weil die Pflanze Stärke in Zucker umwandelt. Bis März ernten wir nach Bedarf, dann schiebt der Strunk Blütentriebe, auch die sind essbar wie Brokkoli. Geerntete Blätter halten im Kühlschrank einige Tage, blanchiert lassen sie sich einfrieren.

Palmkohl: der Schwarzkohl aus der Toskana

Der Palmkohl ist der Grünkohl der Italiener, und bei uns wächst er genauso gut. Vorgezogen wird ab April bis Ende Mai, gepflanzt von Anfang Juni bis Mitte Juli, mit denselben Abständen und demselben Hunger wie der Grünkohl. Er wächst halbhoch, mit langen, schmalen, dunkel bereiften Blättern, die wie Palmwedel vom Strunk abstehen, und er braucht vor der Ernte keinen Frost: Ab Anfang Oktober werden die Blätter einzeln von unten geerntet, die Pflanze treibt oben weiter, bis in den März. Frost verträgt er trotzdem gut, mit Reif auf den Blättern ist er das schönste Gemüse im Wintergarten. In der Küche schneiden wir den festen Stiel heraus und dünsten die Blätter, geben sie in die Gemüsesuppe oder kochen die berühmte Ribollita. Roh schmecken die jungen Blätter mit etwas Füllung als Salatröllchen, und mit Nudeln wird daraus unser Palmkohl mit Pasta.

Palmkohl Nero di Toscana mit langen, blasig gekräuselten, blaugrünen Blättern und Raureif vor einer Backsteinwand
Dezember: Palmkohl mit Reif, die Blätter werden einzeln von unten geerntet.

In der Küche

Dass viele keinen Grünkohl mögen, liegt oft nur an der Zubereitung, in der er stundenlang gekocht wird. Die jungen Blätter sind roh wunderbar, im Smoothie, im Salat mit etwas Öl und Zitrone geknetet oder einfach zum Snacken aus dem Beet. Kurz gedünstet passen sie zu Pasta, aus dem Ofen werden sie zu knusprigen Grünkohlchips, und wer den klassischen Grünkohl mag, nimmt ihn nach dem Frost und lässt ihn nicht zu lange schmoren. Palmkohl kommt in Suppe, Eintopf und Pasta. Und ein Strauß aus Grünkohl, Palmkohl und Rosenkohlstangen macht im Winter mehr her als jede Vase mit Blumen.

Typische Probleme und was dahintersteckt

Weiße Wolken fliegen auf, wenn man die Pflanze berührt

Weiße Fliege. Untere Blätter regelmäßig abnehmen, Mischkultur mit duftenden Kräutern, bei der Ernte Blätter in Salzwasser legen und abwaschen.

Löcher in den Keimblättern und jungen Blättern

Erdflöhe. Jungpflanzen feucht halten, kräftig pflanzen, in den ersten Wochen Netz.

Raupen fressen die Blätter

Kohlweißling, beim gekräuselten Grünkohl selten. Raupen absammeln, Netz über die Jungpflanzen.

Lange, dünne Pflanzen, die umfallen

Zu wenig Sonne. Den sonnigsten Platz wählen, notfalls stützen und anhäufeln.

Kümmernde Pflanzen mit verdickten Wurzeln

Kohlhernie. Beet vier Jahre für die ganze Kohlfamilie meiden, Boden nicht sauer werden lassen.

Blasse, kleine Blätter im Sommer

Nährstoffmangel. Mit Brennnesseljauche nachdüngen, nächstes Jahr das Beet besser vorbereiten.

Der Grünkohl blüht

Normal im zweiten Frühjahr, er ist zweijährig. Die Blütentriebe essen wie Brokkoli, die Pflanze dann abräumen oder für Saatgut stehen lassen.

Unsere Sorten

  • Grünkohl Westländer Winter: halbhoch, robust, frosthart, fein gekräuselte dunkelgrüne Blätter, nach dem Frost süß. 0,3 g für rund 60 Pflanzen, samenfest und bio.
  • Palmkohl Nero di Toscana: halbhoch, dunkle, blaugrün bereifte Blätter, schmeckt leicht nach Brokkoli, Ernte ab Oktober ohne Frost. 0,2 g für rund 40 Pflanzen, samenfest und bio.

Alle Kohle findest du in der Kategorie Kohlgemüse, die Aussaatzeiten im Aussaatkalender. Warum wir nur samenfestes Saatgut führen, steht im Ratgeber.

Mehr zu Grünkohl und Palmkohl

Häufige Fragen

Wann Grünkohl säen?

Im Mai in Schalen vorziehen, Palmkohl ab April, spätestens im Juni. Gepflanzt wird von Anfang Juni bis Mitte Juli.

Säen oder pflanzen?

Vorziehen, pikieren und pflanzen. Direkt im Beet gesät ist der Kohl den Erdflöhen und Schnecken zu lange ausgeliefert.

Welcher Abstand?

40 cm in der Reihe, 40 bis 75 cm zwischen den Reihen. Die Pflanzen werden groß.

Kann ich Grünkohl noch im August oder September pflanzen?

Pflanzen ja, bis Mitte Juli ist es ideal. Im August gepflanzt bleibt er klein, im September gesät kommt vor dem Winter keine Ernte mehr.

Wann Grünkohl ernten?

Ab Oktober, 16 bis 20 Wochen nach der Pflanzung, nach Bedarf bis März. Immer die unteren Blätter zuerst.

Braucht Grünkohl Frost?

Nein, er schmeckt auch vorher. Nach den ersten Frösten wird er aber süßer. Wer nicht warten will, kann die Blätter ein paar Tage einfrieren, das Ergebnis ist ähnlich.

Wie halte ich die Weiße Fliege vom Grünkohl fern?

Sonniger Standort, duftende Kräuter dazwischen, untere Blätter regelmäßig abnehmen. Bei der Ernte die Blätter in Salzwasser legen und abwaschen.

Was ist der Unterschied zwischen Grünkohl und Palmkohl?

Beides sind Blattkohle ohne Kopf. Grünkohl hat fein gekräuselte grüne Blätter und wird nach dem Frost süß, Palmkohl lange, dunkle, blasige Blätter, schmeckt leicht nach Brokkoli und braucht keinen Frost.

Wächst Grünkohl im Hochbeet oder Topf?

Im Hochbeet sehr gut, sonnig und gut gefüttert. Im Kübel ab 20 Liter je Pflanze, dann regelmäßig gießen und nachdüngen.

Welche Nachbarn passen zum Grünkohl?

Hülsenfrüchte, Spinat, Gurken, Salat, Tomaten und duftende Kräuter wie Anis-Ysop und Gewürztagetes. Nicht neben Zwiebeln, Kartoffeln und anderem Kohl.

Kann man Grünkohl roh essen?

Ja, besonders die jungen Blätter: im Salat, im Smoothie oder direkt aus dem Beet.

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