Gurken anbauen: Schlangengurken im Gewächshaus, Landgurken und Gewürzgurken im Freiland

Inhaltsverzeichnis

Gurken sind die schnellsten Pflanzen im Garten: Ende April gesät, Ende Mai gepflanzt, und im Juli kommen wir mit dem Ernten kaum hinterher. Sie wollen nur drei Dinge, die sich nicht verhandeln lassen: Wärme beim Keimen, keinen Frost, und Wasser, immer. Wer das weiß, braucht kein Gewächshaus, denn für draußen gibt es die richtigen Sorten. Hier steht, wie wir Gurken anbauen, warum wir sie nie pikieren, wie sich Schlangengurke und Landgurke unterscheiden, was im Gewächshaus anders läuft als im Freiland, und warum man gerade die kleinen Gurken ernten sollte.

Jen hält lachend eine lange Schlangengurke und eine Saatguttüte vor den Anzuchtregalen
Schlangengurke Arola aus dem Gewächshaus: lang, glatt und jung geerntet fast süß.

Gurken auf einen Blick

AussaatAb Mitte April im Haus vorziehen, Direktsaat ins Freiland ab Mitte Mai bis Ende Juni
Saattiefe2 cm, Mini-Gurke 1 cm
Bodentemperatur zum Keimen20 bis 25 °C, bei 25 °C keimen sie in drei bis sieben Tagen
Pikierennein, direkt in 9-cm-Töpfe mit nährstoffreicher Erde säen
PflanzungGewächshaus ab Mitte Mai, Freiland nach den Eisheiligen. 40 bis 60 cm in der Reihe, Reihen 100 bis 160 cm
KulturdauerSchlangengurke 8 bis 10 Wochen, Landgurke und Gewürzgurke 10 bis 12 Wochen ab Aussaat
ErnteJuli bis Oktober, alle zwei Tage
Standortwarm, feucht, windgeschützt, Halbschatten geht
NährstoffbedarfStarkzehrer, frischer Mist erlaubt
Frostkeiner, unter 5 °C nachts sterben die Pflanzen
Saatgutmenge8 bis 12 Korn sind 6 bis 9 Pflanzen, mehr braucht kein Garten

Landgurke oder Schlangengurke?

Die Frage entscheidet sich am Platz. Die Schlangengurke ist die lange, glatte Gewächshausgurke: Sie will es feucht und warm, klettert an der Schnur nach oben und trägt bei uns im Gewächshaus oder Folientunnel am meisten. Die Landgurke, bei uns die Salatgurke Tanja, ist die Freilandsorte: etwas kürzer, 20 bis 25 cm, leicht bestachelt, mit mehr Geschmack als die Supermarktgurke und ohne Bitterkeit. Als unser Gewächshaus voller Melonen stand, haben wir die Tanja im Hochbeet draußen angebaut, ohne Dach, ohne Schwierigkeiten, und von wenigen Pflanzen so viel geerntet, dass wir Gurken verschenkt haben. Dazu kommen die Gewürzgurke fürs Einlegen und zum Naschen, die Mini-Gurke mit olivengroßen Früchten, und seit 2025 die russische Gurke, kurz, rundoval und sehr früh.

Aussaat: warm, nicht pikieren, Topf halb füllen

Wir säen Gurken Ende April, am alten Standort war es Mitte April, hier ist es kälter. Früher lohnt nicht, die Pflanzen wachsen so schnell, dass sie vor den Eisheiligen aus dem Topf platzen. Gurken werden nicht pikiert, sie mögen es nicht, wenn man an ihre Wurzeln geht. Deshalb kommt jedes Korn direkt in ein 9-cm-Töpfchen, und zwar nicht in magere Aussaaterde, sondern gleich in Komposterde oder nährstoffreiche Gemüseerde, 2 cm tief. Der Trick aus dem Video: Den Topf erst halb füllen, und wenn die Pflanze in die Höhe schießt, Erde bis zum Rand nachfüllen. So steht sie tiefer und bildet am Stängel neue Wurzeln.

Zum Keimen brauchen Gurken Wärme, 20 bis 25 °C. Bei 25 °C sind sie in drei bis sieben Tagen da, bei 18 °C passiert wenig. Also ab ins Warme, auf die Heizmatte oder in die Anzuchtstation, mit temperiertem Wasser angießen, kein kaltes Brunnenwasser. Und nicht zu nass halten, sonst faulen die Körner. Sind die Keimlinge zu lang geraten, hatten sie zu wenig Licht, dann setzen wir sie vorsichtig mit dem ganzen Ballen tiefer in einen größeren Topf. Sobald es tagsüber über 10 °C hat, gewöhnen wir die Pflanzen stundenweise ans Tageslicht.

Pflanzen: nach den Eisheiligen, nie vorher

Gurken sind extrem frostempfindlich, schon leichter Frost ist das Ende. Ins Gewächshaus pflanzen wir ab Mitte Mai, wenn die Nächte nicht mehr unter 12 °C fallen, ins Freiland nach den Eisheiligen, und wenn der Mai kalt bleibt, stehen die Töpfe eben noch zwei Wochen im Haus. Als 2023 die Eisheiligen verspätet kamen, standen unsere Gurken nachts noch drinnen, das hat sie gerettet. Wer eine Pflanze verliert, sät nach: Bis Ende Juni ist dafür Zeit.

Das Beet wird für den Starkzehrer vorbereitet, und bei Gurken darf es der frische Pferdemist sein, in die Erde gemischt: Er liefert Nährstoffe und wärmt beim Verrotten den Boden. Ohne Mist tut es Kompost mit Urgesteinsmehl oder Bokashi, als Vorkultur eignen sich Bohnen. Gepflanzt wird tiefer als im Topf, mit 40 bis 60 cm Abstand, Reihen 100 bis 160 cm, denn Gurken ranken. Danach mulchen, damit die Feuchtigkeit im Boden bleibt, und die Rankhilfe setzen.

Eine dunkelgrüne Schlangengurke hängt zwischen großen Blättern über dem Rand eines Hochbeets im Gewächshaus
Arola im Gewächshaus: an der Schnur nach oben, die Früchte hängen frei.

Schlangengurken im Gewächshaus

Im Gewächshaus klettert die Schlangengurke an einer Schnur oder einem Gitter nach oben, wir binden sie alle paar Tage weiter an und lassen sie wachsen. Ausgegeizt wird die Arola nicht, an den Seitentrieben bildet sie ihre Früchte. Nur die untersten Seitentriebe nehmen wir weg, damit keine Gurke auf der Erde liegt. Wichtig ist das Klima: feucht und warm. Die Tomate will es im Gewächshaus warm und luftig, deshalb stehen beide bei uns nicht zusammen unter einem Dach. Weil die Gurke männliche und weibliche Blüten hat, braucht sie Bestäuber, und die lockt man ins Gewächshaus mit Blumen zwischen den Pflanzen, gern essbaren. Nur die weiblichen Blüten mit dem kleinen Gürkchen dahinter werden zu Früchten.

Gegossen wird regelmäßig und gleichmäßig, Fingerprobe, denn bei unregelmäßigem Wasser wachsen die Früchte krumm und bauchig. Nachgedüngt wird bei vorbereitetem Boden einmal im Monat mit Brennnesseljauche. Steht die Gurke zu trocken und zu heiß, kommen die Spinnmilben, je feuchter und schattiger, desto seltener.

Landgurken und Gewürzgurken im Freiland

Draußen wachsen die Freilandsorten am Boden oder am Gitter, im Hochbeet lassen wir sie einfach über den Rand hängen. Der Platz ist windgeschützt und warm, Halbschatten vertragen sie. Die großen Blätter verdunsten viel, deshalb heißt es auch hier: feucht halten und mulchen. Mehr Pflege braucht die Freilandgurke nicht, nur eine Jauche, wenn sie im Juli schlapp aussieht. Die Gewürzgurke bauen wir fast buschig an und ernten alle ein, zwei Tage die kleinen Früchte, die größeren werden eingelegt. Die Landgurke Tanja essen wir klein und groß, bei sehr großen nehmen wir die Kerne heraus.

Eine frisch geerntete, leicht bestachelte Landgurke Tanja liegt auf einem Holztisch
Salatgurke Tanja aus dem Hochbeet: die Freilandgurke mit Geschmack.

Gute Nachbarn und Fruchtfolge

Gurken stehen gern mit Fenchel, Buschbohnen, Kohlrabi, Rote Bete, Dill, Basilikum, Möhren, Erbsen, Sellerie, Kohl, Salat, Mais und Paprika. Nicht neben andere Kürbisgewächse wie Zucchini und Melonen, nicht neben Kartoffeln, Auberginen und Radieschen, und im Gewächshaus nicht neben Tomaten. Kürbisgewächse vertragen sich untereinander nicht in der Fruchtfolge: vier Jahre Pause auf demselben Beet, und das gilt für Gurken, Zucchini, Kürbis und Melonen zusammen.

Ernte: früh anfangen, nie aufhören

Die erste Gurke ernten wir, sobald sie halbwegs groß ist, und das mit Absicht: Frühes Ernten regt die Pflanze an, mehr Blüten und mehr Früchte zu bilden. Lässt man die ersten Gurken hängen, bis sie dick und gelb werden, stellt die Pflanze die Produktion ein. Also alle zwei Tage durch die Blätter schauen, und was übersehen wurde und gelb geworden ist, bekommen die Hühner. Geerntet wird unreif, grün und innen hellgrün, so schmecken Gurken. Im Kühlschrank halten sie eine Woche, die Gewürzgurken wandern ins Glas, als Salzgurken nach dem Rezept vom Gärtner oder als Schälgurken.

Für eigenes Saatgut muss eine Gurke ausreifen, bis sie gelb-orange und weich ist, erst dann sind die Samen keimfähig. Dafür nimmt man eine späte Frucht, nicht eine der ersten. Und weil Kürbisgewächse sich gern kreuzen, ist Gurkensaatgut etwas für Fortgeschrittene, für den Anfang sind Tomaten und Paprika dankbarer.

Typische Probleme und was dahintersteckt

Die Gurken schmecken bitter

Stress: Kälte, Trockenheit oder Hitze mit zu wenig Wasser. Gleichmäßig gießen, mulchen, geschützt stellen. Unsere Sorten sind von Natur aus bitterfrei, der Stress macht den Unterschied.

Krumme, bauchige Früchte

Unregelmäßiges Wasser oder schlechte Bestäubung. Fingerprobe, Blumen fürs Gewächshaus.

Gelbe Blätter

Hunger, Nässe oder Kälte. Jauche geben, nicht am Stängel gießen, warten, bis es wärmer wird.

Blüten, aber keine Früchte

Die ersten Blüten sind oft männlich, das ist normal. Fehlen Bestäuber, hilft Blühendes im Gewächshaus oder ein Pinsel.

Weißer Belag auf den Blättern

Echter Mehltau bei trockener Hitze, gelbe Flecken mit grauem Belag unten sind falscher Mehltau bei feuchter Kühle. Befallene Blätter entfernen, luftig halten, robuste Sorten.

Die Pflanze welkt plötzlich

Stängelfäule am Wurzelhals, meist durch Nässe am Stängel. Neben die Pflanze gießen, nicht auf sie, und nicht zu tief in nasse Erde setzen.

Feine Gespinste, Blätter werden fahl

Spinnmilben, bei trockener Wärme. Pflanze und Umgebung feucht halten, Blätter abbrausen.

Unsere Sorten

  • Schlangengurke Arola: die Gewächshausgurke, robust, wenig Stacheln, lange glatte Früchte, Seitentriebe nicht ausgeizen. 8 Korn sind rund 6 Pflanzen.
  • Salatgurke Tanja: die Landgurke fürs Freiland, 20 bis 25 cm, leicht bestachelt, nie bitter, sehr ertragreich. 12 Korn sind rund 9 Pflanzen.
  • Gewürzgurke Vorgebirgstraube: viele dunkelgrüne, feste Früchte zum Einlegen und Naschen, Ernte August bis Oktober. 20 Korn sind rund 15 Pflanzen.
  • Mini-Gurke: die mexikanische Minigurke mit olivengroßen, gemusterten Früchten, zum Naschen, für den Salat und zum Einlegen.
  • Russische Gurke: kurz, rundoval, hellgrün bis goldgelb geerntet, sehr früh und widerstandsfähig.
  • Mischkulturset Gurke, Paprika und Fenchel: das Gurkenbeet mit Anleitung.

Alle Kürbisgewächse findest du in der Kategorie Kürbisgemüse, die Aussaatzeiten im Aussaatkalender. Warum wir nur samenfestes Saatgut führen, steht im Ratgeber.

Mehrere olivengroße, grün gemusterte Mini-Gurken hängen an feinen Ranken zwischen Blättern
Mini-Gurken sehen aus wie winzige Wassermelonen und werden von der Hand in den Mund gegessen.

Mehr zu Gurken

Häufige Fragen

Wann Gurken säen?

Ab Mitte April im Haus, bei uns Ende April. Direkt ins Freiland von Mitte Mai bis Ende Juni.

Vorziehen oder direkt säen?

Vorziehen bringt die Ernte um Wochen nach vorn. Direktsaat ab Mitte Mai spart das Abhärten, erntet aber später.

Welche Temperatur zum Keimen?

20 bis 25 °C. Bei 25 °C keimen sie in wenigen Tagen, darunter dauert es oder die Körner faulen.

Muss ich Gurken pikieren?

Nein, nie. Ein Korn je 9-cm-Topf in nährstoffreiche Erde, später tiefer setzen oder umtopfen.

Wann dürfen Gurken raus?

Ins Gewächshaus, wenn die Nächte über 12 °C bleiben, ins Freiland nach den Eisheiligen. Unter 5 °C sterben sie.

Muss ich Gurken ausgeizen?

Unsere Sorten nicht. Nur die untersten Seitentriebe entfernen, damit keine Früchte auf der Erde liegen.

Warum sind meine Gurken bitter?

Kälte, Trockenheit oder Hitzestress. Gleichmäßig gießen, mulchen und geschützt stellen.

Wie oft ernten?

Alle zwei Tage, und früh anfangen. Hängen gelassene Früchte stoppen den Nachschub.

Wachsen Gurken im Hochbeet oder Kübel?

Im Hochbeet wunderbar, sie dürfen über den Rand hängen. Im Kübel mindestens 20 Liter und tägliche Wasserkontrolle.

Kann man Gurken im Winter im Haus anbauen?

Nur mit Pflanzenleuchte, viel Wärme und Handbestäubung. Ohne Zusatzlicht wird das nichts, lieber im April neu starten.

Weitere Beiträge