Paprika kommt aus dem Süden, und trotzdem ernten wir bei uns im Norden jeden Spätsommer kistenweise eigene Früchte: aus dem Folientunnel, aus dem Kübel an der Hauswand und mit der richtigen Sorte sogar aus dem Freiland. Der Unterschied zur Tomate liegt am Anfang: Paprika braucht länger, deshalb säen wir schon im Februar, warm und unter Licht, und haben im Mai kräftige Jungpflanzen. Danach will sie Wärme, Futter und eine Stütze, mehr nicht. Hier steht, wie wir Paprika anbauen, warum wir immer zwei Pflanzen in ein Loch setzen, welche Sorten draußen reif werden und was zu tun ist, wenn im Oktober noch alles grün hängt.

Paprika auf einen Blick
| Aussaat | Februar bis März im Haus, bis März mit Pflanzenleuchte. Chili schon ab Dezember |
|---|---|
| Saattiefe | 0,5 bis 1 cm |
| Bodentemperatur zum Keimen | 20 bis 25 °C, Keimdauer eine bis vier Wochen |
| Pikieren | ja, sobald die Keimblätter voll da sind, tiefer setzen |
| Pflanzung | Gewächshaus ab Mitte April, Freiland nach den Eisheiligen. 50 cm in der Reihe, Reihen 70 cm, immer zwei Pflanzen je Loch |
| Kulturdauer | 20 bis 22 Wochen ab Aussaat, Bratpaprika 18 bis 20 |
| Ernte | August bis zum ersten Frost, Freilandsorten ab Mitte September |
| Standort | so warm wie möglich: Gewächshaus, Tunnel, Kübel an der Südwand, geschütztes Beet |
| Nährstoffbedarf | Starkzehrer |
| Frost | keiner, nachts nicht unter 10 °C |
| Saatgutmenge | 12 Korn sind rund 9 Pflanzen |
Aussaat im Februar: warm und hell
Paprika ist die erste Aussaat des Jahres nach dem Chili. Wir starten im Februar, denn von der Saat bis zur ersten reifen Frucht vergehen 20 Wochen. Bis März geht das nur mit Pflanzenleuchte, ab März reicht ein helles Südfenster. Gesät wird in Aussaaterde, die Körner mit etwas Abstand in die Schale, 0,5 bis 1 cm Erde darüber, andrücken, angießen. Dann kommt die Wärme: 20 bis 25 °C, mit 25 °C auf der Heizmatte sind wir auf der sicheren Seite. Die Keimung dauert eine bis vier Wochen, je nach Alter des Saatguts und Licht, also nicht nervös werden.
Pikieren: tiefer setzen, dann abhärten
Sobald die Keimblätter voll entfaltet sind, am besten wenn das erste echte Blattpaar schon herausschaut, wird pikiert. Wir fassen die Keimlinge an den Blättern, nie am Stängel, heben sie mit dem Ballen aus der Schale und setzen sie in Töpfchen mit Aussaaterde, tiefer als vorher. Werden die Pflanzen in den folgenden Wochen blass oder schwächlich, gibt es Flüssigdünger. Nach acht bis zwölf Wochen haben wir kräftige Jungpflanzen, und wenn der Topf vorher zu klein wird, topfen wir noch einmal um, wieder tiefer, jetzt in Komposterde. Bilden kleine Pflanzen im April schon Blüten, brechen wir sie aus: Erst wachsen, dann tragen.
Zwei bis drei Monate nach der Aussaat, bei uns im April, gewöhnen wir die Pflanzen an die echte Sonne: erste Woche Schatten, zweite Woche stundenweise Sonne, dritte Woche vollsonnig, immer nur tagsüber. Sinkt die Nacht unter 10 °C, kommen sie wieder rein. So lange, bis das Gewächshaus oder das Beet bereit ist.

Pflanzen: zu zweit, tief und mit Stütze
Ins beheizte Gewächshaus oder an einen milden Standort pflanzen wir ab Anfang April, ins unbeheizte ab Mitte April, ins Freiland nach den Eisheiligen. Paprika ist Starkzehrer und will Nährstoffe an den Füßen: Das Beet bekommt Kompost, Kleedünger und Urgesteinsmehl, der Kübel eine Mischung aus alter Gartenerde und abgelagertem Pferdemist, darüber eine Schicht Komposterde. Gepflanzt wird tiefer als im Topf, und zwar immer zwei Pflanzen in ein Loch. Das haben wir über Jahre verglichen: Die beiden stützen sich gegenseitig, und der Ertrag ist einfach höher. Abstand 50 cm in der Reihe, 70 cm zwischen den Reihen, im Kübel mindestens 20 Liter je Pflanzenpaar, unser großer hat 70.
Nach dem Pflanzen mulchen wir, und weil die Amseln den Mulch gern auseinandernehmen, liegen ein paar Stöcke darauf. Nach zwei Monaten, wenn die Pflanzen kniehoch sind, bekommen sie einen Stab und werden angebunden. Das trägt sie durch Sturm und durch die Last der Früchte, und es hält die Früchte vom Boden fern.
Pflege: Wärme, Wasser, Geduld
Im Gewächshaus und im Kübel ist Gießen das Wichtigste, dort wachsen die Pflanzen größer und tragen mehr, brauchen aber jeden Tag die Fingerprobe. Im Freiland gießen wir nur nach längerer Trockenheit. Nachgedüngt wird bei vorbereitetem Boden kaum, im Sommer eine Jauche, wenn die Blätter blass werden. Ausgeizen muss man Paprika nicht, sie verzweigt sich von selbst. Und dann heißt es warten: Paprika braucht länger als Tomaten, bis die ersten Früchte hängen, dafür reifen sie ab August in Wellen bis zum Frost.
Paprika im Freiland: die Sorte macht den Unterschied
Dass Paprika bei uns nicht draußen geht, stimmt nur halb. Im Beet wachsen die Pflanzen auch ohne Dach schön und setzen Früchte an, das Problem ist das Ausreifen: Von der gelben Blockpaprika hingen Ende September im Freiland noch fast alle Früchte grün, während dieselbe Sorte im Gewächshaus längst reif war. Mit der richtigen Sorte geht es: Unsere Freilandpaprika Rosso, eine Spitzpaprika, ist über Jahre an unseren Standort angepasst und wird auch im Beet ab Mitte September reif, nicht später als im Tunnel. Nicht so dickfleischig wie eine Blockpaprika, aber mit richtig gutem Aroma, und 2024 haben wir die letzte Runde Anfang November vor dem ersten Frost geholt. Auch der Bratpaprika Padrón und die scharfen Sorten im Topf an der Hauswand brauchen kein Gewächshaus. Welche Sorte bei uns wo wächst, zeigt das Video:
Gute Nachbarn und Fruchtfolge
Paprika steht gern mit Basilikum, Gurken, Fenchel, Kohl und Möhren, bei uns wächst roter Basilikum zu ihren Füßen. Nicht neben Tomaten, Auberginen und Kartoffeln, das ist dieselbe Familie mit denselben Krankheiten. Vier Jahre Pause auf demselben Beet für alle Nachtschattengewächse, im Kübel verträgt die Paprika wie die Tomate ihre eigene Nachfolge, wenn die Erde aufgearbeitet wird.
Ernte: rot, orange oder grün
Reif ist die Paprika, wenn sie ihre Sortenfarbe hat, rot, orange oder gelb, dann ist sie am süßesten. Geschnitten wird mit der Schere knapp über dem Fruchtstiel, nicht gerissen, sonst bricht der Trieb. Grüne Paprika kann man genauso essen, sie ist nur noch nicht reif, und wenn die Saison zu Ende geht, landen die halbroten und grünen Früchte bei uns ebenso in der Küche. Halbreife Früchte reifen im Haus bei Zimmertemperatur nach. Vor dem ersten Frost muss alles rein. Im Kühlschrank hält Paprika ein bis zwei Wochen, in Streifen eingefroren bis zur nächsten Saison, und als Ofenpaprika wird sie zur Soße, die wir einfrieren, wenn der Ofen fürs Brot ohnehin heiß ist.
Für eigenes Saatgut nehmen wir die schönsten, vollreifen Früchte, kratzen die Samen heraus, trocknen sie ein paar Tage und lagern sie trocken. Paprika kreuzt sich kaum, deshalb ist sie neben der Tomate die beste Kultur, um mit der Saatgutgewinnung anzufangen. Bei uns wird jede Paprika fürs Saatgut von Hand geöffnet, eine Maschine gibt es dafür nicht.

Typische Probleme und was dahintersteckt
Blüten fallen ab, keine Früchte
Zu heiß über 30 °C, zu kalt unter 15 °C nachts oder zu trocken. Lüften, gießen, an den Pflanzen rütteln, damit der Pollen fällt.
Die Früchte bleiben grün
Zu spät gesät, zu kalt oder die falsche Sorte fürs Freiland. Grün ernten und im Haus nachreifen lassen, nächstes Jahr im Februar säen und eine Freilandsorte nehmen.
Schwarze, eingesunkene Stelle an der Fruchtspitze
Blütenendfäule, Kalziummangel durch ungleichmäßiges Gießen. Regelmäßig wässern, mulchen, befallene Früchte abnehmen.
Helle, weiche Flecken auf der Sonnenseite
Sonnenbrand, meist nach dem Entfernen von Blättern. Blätter dranlassen, im Tunnel schattieren.
Lange, dünne Jungpflanzen
Zu warm und zu dunkel nach dem Keimen. Mehr Licht, kühler stellen, beim Pikieren tiefer setzen.
Blattläuse an den Jungpflanzen
Im Haus die häufigste Plage. Abbrausen, mit Schmierseifenlösung sprühen, früh ans Tageslicht gewöhnen.
Die Pflanze kippt unter der Last
Zu spät angebunden. Stab setzen, locker binden, zu zweit pflanzen.
Unsere Sorten
Alle samenfest und bio, alle bei uns erprobt, nach Standort sortiert.
Für Gewächshaus und Tunnel: Spitzpaprika Pantos, rot, 17 bis 20 cm, sehr aromatisch, reif ab Mitte September. Blockpaprika Jumbo, dickfleischig, sechs bis neun große Früchte je Pflanze. Blockpaprika Cubo Orange, schwer und süß. Spitzpaprika Lady Lou, orange, früh ab Ende August, viele Früchte, auch im Kübel an der Hauswand.
Für Freiland, Kübel und Kinder: Freilandpaprika Rosso, die Spitzpaprika, die draußen reif wird. Snackpaprika Hamik, orange, süß, wenig Samen, der Liebling aus der Brotdose. Bratpaprika Pimientos de Padrón, grün geerntet, in Öl gebraten und gesalzen.
Für den Topf an der Hauswand, scharf abgestuft: Chili Jalapeño, nur leicht scharf. Türkischer Gewürzpaprika, schärfer, intensiv und süß, zum Trocknen für Paprikapulver. Chili de Cayenne, die schärfste der drei.
Alle Paprika, Chilis, Tomaten und Auberginen findest du in der Kategorie Fruchtgemüse, die Aussaatzeiten im Aussaatkalender. Warum wir nur samenfestes Saatgut führen, steht im Ratgeber.

Mehr zu Paprika
- Alle Sorten mit Standort und Reifezeit in einer Tabelle: Paprika-Sorten für den Norden
- Die scharfe Variante von der Aussaat bis zum Pulver: Türkischen Gewürzpaprika erfolgreich anbauen
- Die letzte Ernte vor dem Frost und der Folientunnel: Paprika im November
- Die Verwandten: Tomaten anbauen und der Beetnachbar Gurken anbauen
Häufige Fragen
Wann Paprika säen?
Im Februar mit Pflanzenleuchte, spätestens im März am Südfenster. Chili schon ab Dezember.
Welche Temperatur zum Keimen?
20 bis 25 °C, am besten auf der Heizmatte. Die Keimung dauert bis zu vier Wochen.
Wann und wie tief pikieren?
Sobald die Keimblätter voll da sind, an den Blättern anfassen und tiefer setzen als vorher.
Wann dürfen Paprika raus?
Ins Gewächshaus ab Mitte April, ins Freiland nach den Eisheiligen, vorher drei Wochen abhärten. Nachts nicht unter 10 °C.
Warum zwei Pflanzen in ein Loch?
Sie stützen sich gegenseitig und tragen zusammen mehr als zwei einzeln gepflanzte. Bei uns seit Jahren Standard.
Muss ich Paprika ausgeizen?
Nein. Nur die ersten Blüten an sehr kleinen Jungpflanzen brechen wir aus, damit die Pflanze erst wächst.
Wächst Paprika im Freiland?
Mit der richtigen Sorte ja. Unsere Freilandpaprika Rosso wird ab Mitte September auch im Beet reif, Blockpaprika bleibt draußen meist grün.
Wann Paprika ernten?
Ab August, sobald die Frucht ihre Farbe hat. Grün geht auch, ist nur weniger süß. Vor dem ersten Frost alles abnehmen.
Wie groß muss der Kübel sein?
Mindestens 20 Liter für ein Pflanzenpaar, mit Mist oder Kompost in der Erde und einem Stab. Unser großer Kübel fasst 70 Liter.
Kann man Paprika überwintern?
Ja, Paprika ist mehrjährig. Im Herbst zurückschneiden, hell und kühl bei 10 bis 15 °C stellen, wenig gießen. Ob sich das lohnt, zeigt das zweite Jahr, wir säen lieber neu.


