Kartoffeln bauen wir jedes Jahr an, im Beet, in der Kartoffeltonne und in manchen Jahren auch im Sack, und wir haben dabei mehr gewogen, gezählt und verglichen als bei jedem anderen Gemüse. Hier steht, was dabei herausgekommen ist: wann Kartoffeln in die Erde kommen, wie tief und mit welchem Abstand, warum Vorkeimen und Anhäufeln den Unterschied machen, welche Sorten in der Tonne wirklich Ertrag bringen und wie die Ernte bis ins Frühjahr hält. Unsere Zahlen aus dem Beet und aus der Tonne stehen dabei, damit du weißt, was du erwarten kannst.

Kartoffeln auf einen Blick
| Vorkeimen | ab März, hell und kühl |
|---|---|
| Pflanzzeit | April bis Mai, sobald der Boden etwa 8 °C hat. Späte Sorten für die Winterernte Mai bis Juni |
| Pflanztiefe | 8 bis 10 cm, danach anhäufeln |
| Pflanzabstand | 30 cm in der Reihe |
| Reihenabstand | 50 bis 70 cm |
| Ernte | frühe Sorten ab Juli, mittelfrühe ab August, späte September bis Oktober |
| Standort | sonnig, lockerer Boden, keine Staunässe |
| Nährstoffbedarf | Starkzehrer |
| Ertrag | bei uns rund 1,5 bis 1,9 kg je Pflanzkartoffel, je nach Sorte und Jahr |
| Fruchtfolge | Nachtschattengewächs wie Tomate, Paprika und Aubergine. Auf demselben Beet frühestens nach drei bis vier Jahren wieder |
Die Sorte entscheidet: früh, mittelfrüh, spät
Bevor es um Tiefe und Abstand geht, kommt die Sortenwahl, denn sie bestimmt, wann du erntest und wie lange die Kartoffeln halten. Frühe Sorten sind nach etwa 90 bis 110 Tagen fertig und werden ab Juli frisch gegessen. Mittelfrühe brauchen 130 bis 150 Tage, sie sind das Rückgrat der Ernte und lagern gut. Späte Sorten reifen im September und Oktober, halten am längsten und sind die richtigen für den Anbau bis in den Winter. Dazu kommt die Kocheigenschaft: festkochend für Salat und Pellkartoffeln, vorwiegend festkochend als Allrounder, mehlig für Püree, Klöße und Suppe.
Wir bauen von sehr früh bis sehr spät alles an, dann gibt es von Juli bis März immer frische Kartoffeln, und was zu viel ist, wird eingelagert. Ein paar unserer Erfahrungen: Allians ist mittelfrüh, festkochend und bringt im Beet wie in der Tonne verlässlich Ertrag. Rote Desiree legt in der Tonne am meisten nach, bis zu neun Kilo aus einer Tonne. Salome ist eine sehr frühe Salatkartoffel mit hervorragendem Geschmack, in der Tonne aber schwächer. Sarpo Mira, Erdgold und Sevilla sind unsere späten Sorten für die Winterernte im Beet. Wichtig ist bei allen: Bio-Pflanzgut nehmen, keine Speisekartoffeln aus dem Supermarkt.
Vorkeimen: die Ernte zwei Wochen vorziehen
Ab März holen wir die Pflanzkartoffeln aus dem kühlen Lager und stellen sie hell und nicht zu warm auf, in flachen Kisten oder Eierkartons, Augen nach oben. Bis zum Pflanzen bilden sie kurze, kräftige, grün-violette Keime. Vorgekeimte Kartoffeln kommen schneller aus der Erde, sind Krankheiten und Kartoffelkäfer voraus und werden früher reif. Eine Knolle, die bis zum Pflanztag keinen Keim gebildet hat, bleibt bei uns draußen, aus der wird nichts mehr.
Zwei Fragen haben wir in unseren Tonnen getestet. Große oder kleine Pflanzkartoffeln? Die großen brachten im Schnitt ein halbes Kilo mehr Ertrag pro Tonne, die Größe der geernteten Knollen war gleich. Ganze oder halbierte Pflanzkartoffeln? Ganze bringen mehr. Halbieren lohnt sich nur, wenn Pflanzgut knapp ist. Und lieber eine kleine Pflanzkartoffel als ein leeres Beet.
Beet vorbereiten
Kartoffeln sind Starkzehrer. Wir bereiten das Beet mit Kompost oder Kleedünger vor und geben Urgesteinsmehl für die Mineralien dazu, alles flach eingearbeitet. Frischer Mist gehört nicht ans Kartoffelbeet, er fördert Schorf. Als Vorkultur passt fast alles, bei uns standen schon Spinat, Zucchini oder Zwiebeln davor. Nicht passen Tomaten, Paprika und Auberginen, das sind dieselbe Familie mit denselben Krankheiten. Aus demselben Grund pflanzen wir Kartoffeln so weit wie möglich von den Tomaten weg: Die Sporen der Kraut- und Braunfäule wandern mit dem Wind von einem zum anderen.
Kartoffeln pflanzen: Schritt für Schritt
- Zeitpunkt. Anfang bis Mitte April, wenn der Boden etwa 8 °C hat und abgetrocknet ist. In einem kalten, nassen Frühjahr lieber Anfang Mai. Späte Sorten für den Winter setzen wir erst im Mai oder Juni.
- Rillen ziehen. Mit dem Furchenzieher oder der Hacke, Reihenabstand 50 bis 70 cm. Der große Abstand ist kein Luxus, er ist die Erde, die du später zum Anhäufeln brauchst.
- Legen. Alle 30 cm eine Pflanzkartoffel, Keime nach oben, in eine kleine Mulde. Mit 8 bis 10 cm Erde bedecken, Sorten mit langer Keimruhe wie Simonetta etwas tiefer.
- Angießen. Nur bei trockenem Wetter nötig. Droht noch Frost, ein Vlies bereitlegen: Das junge Laub verträgt keinen Frost.
Anhäufeln, mulchen, gießen
Sobald die Pflanzen 15 bis 20 cm hoch sind, ziehen wir Erde von beiden Seiten an die Reihe, bis nur noch die Spitzen herausschauen. Das machen wir bis Ende Mai ein- bis zweimal. Anhäufeln sorgt für mehr Knollen an den bedeckten Stängeln, hält die Knollen im Dunkeln, damit sie nicht grün werden, und erledigt nebenbei das Beikraut. Bis dahin heißt es Disteln und Ackerwinde ziehen, danach ist das Laub so dicht, dass kaum noch etwas durchkommt.
Nach dem letzten Anhäufeln mulchen wir mit Rasenschnitt oder klein gemähtem Stroh. Das hält die Feuchtigkeit im Boden und spart Gießgänge. Gießen müssen Kartoffeln im Beet nur in trockenen Sommern, dann aber durchdringend, vor allem während der Blüte, wenn die Knollen wachsen. In der Tonne ist es anders, dazu gleich. Gedüngt wird nach der Beetvorbereitung nicht mehr. Zu viel Dünger geht bei Kartoffeln auf Kosten des Geschmacks.
Kartoffeln in der Tonne, im Kübel und im Sack

Unsere Kartoffeltonnen sind zu Zylindern gebogene Bleche, 60 cm Durchmesser, 60 cm hoch, oben und unten offen, rund 140 Liter Inhalt. Sie stehen dort, wo wir nicht in den Boden kommen, und sie funktionieren genauso in einem großen Kübel oder einem Pflanzsack auf Balkon oder Terrasse. Unten kommt eine Lage abgelagerter Mist oder Kompost, darauf torffreie Gemüseerde, und darauf vier vorgekeimte Pflanzkartoffeln, mit Erde bedeckt. Sobald das Grün eine Handbreit hoch ist, wird wieder Erde aufgefüllt, bis nur die Spitzen herausschauen. Das wiederholt sich, bis die Tonne voll ist, dann kommt Stroh als Mulch obenauf.
Der Haken: Die Tonne trocknet schneller aus als das Beet, deshalb Finger in die Erde und bei Bedarf gießen. Und nicht jede Sorte macht mit. Das Prinzip lebt davon, dass die Pflanze an den nachträglich bedeckten Stängeln neue Knollen bildet. Rote Desiree kann das am besten, Allians ordentlich, andere kaum. Unsere Zahlen: Vier Tonnen mit je vier Knollen Allians brachten 28,5 kg, zwei Beetreihen mit derselben Zahl Knollen 24,5 kg. In einem anderen Jahr lagen wir bei 1,87 kg je Knolle. Die Ernte aus der Tonne ist dafür die bequemste, die es gibt: Erde in die Schubkarre kippen, Kartoffeln auflesen, keine Gabel, keine verletzten Knollen. Und die leere Tonne ist ein kleines Hochbeet für die Herbstpflanzung: Chinakohl, später Blumenkohl, Wirsing, Kohlrabi oder Lauchzwiebeln ziehen danach ein.
Kartoffeln ernten

Das Signal zur Ernte gibt das Laub: Wenn es gelb wird und zusammenfällt, sind die Knollen ausgereift. Bei frühen Sorten ist das ab Juli, bei mittelfrühen im August, bei späten im September oder Oktober. Frühkartoffeln kannst du auch schon vorher ernten, dann mit dünner Schale und direkt in die Küche. Für die Einlagerung warten wir, bis das Laub ganz abgestorben ist, dann ist die Schale fest. Geerntet wird an einem trockenen Tag mit der Grabegabel, ein Stück neben der Pflanze eingestochen und angehoben, damit keine Knolle aufgespießt wird. Die Kartoffeln bleiben ein paar Stunden zum Abtrocknen liegen, gewaschen werden sie nicht.
Wer keine Wühlmäuse hat, kann späte Sorten auch im Beet lassen und wöchentlich nach Bedarf ernten. Wie das bis in den März funktioniert, steht im Beitrag Winterkartoffeln anbauen. Mit einer ganzen Reihe auf dem Acker roden wir mit dem alten Roder, das zeigen wir in Kartoffeln roden.
Kartoffeln lagern

Kartoffeln wollen es dunkel, kühl und luftig: vier bis acht Grad, in Holzkisten oder Säcken, nicht im Plastik. Licht macht sie grün und bitter, Wärme lässt sie keimen, Nässe faulen. Beschädigte Knollen kommen nicht ins Lager, sondern zuerst in die Küche. Wer keinen Keller hat, nimmt die frostfreie Garage oder einen kühlen Schuppen. Wie lange sie halten, ist Sortensache: Allians und Violet Star lagern bei uns bis Mai oder Juni, Simonetta bis Mai, Gunda hat eine gute Keimruhe und bleibt lange fest. Einmal im Monat durchsehen und Keime abbrechen, dann reicht die Ernte bis zur nächsten.
Typische Probleme und was dahintersteckt
Wenig Ertrag in der Tonne
Meist die falsche Sorte oder zu trocken. Nur Sorten, die beim Anhäufeln nachlegen, lohnen sich in der Tonne, und die Erde darf nie ganz austrocknen.
Braune Flecken, das Laub fault
Kraut- und Braunfäule, meist in feuchten Sommern und in der Nähe von Tomaten. Befallenes Laub abschneiden und entsorgen, nicht kompostieren. Die Knollen unter der Erde sind oft noch in Ordnung, wenn du bald erntest.
Grüne Kartoffeln
Die Knollen hatten Licht, weil zu flach gepflanzt oder zu wenig angehäufelt wurde. Grüne Stellen großzügig wegschneiden, stark grüne Knollen nicht essen.
Käfer und gelbe Larven auf dem Laub
Der Kartoffelkäfer. Absammeln, auch die Eigelege auf den Blattunterseiten, am besten morgens. Weiße Engerlinge im Boden fressen an den Knollen, sie kommen beim Umgraben mit raus und freuen die Hühner.
Knollen mit Löchern oder rauer Schale
Löcher sind Drahtwürmer oder Wühlmäuse, raue Korkflecken sind Schorf. Gegen Schorf hilft, keinen frischen Mist zu geben und in der Knollenbildung gleichmäßig zu gießen. Gegen Wühlmäuse hilft nur der Anbau in der Tonne.
Unsere Pflanzkartoffeln
Bio-Pflanzgut in 1-kg-Beuteln, ab Mitte März, solange der Vorrat reicht. Aus deiner Ernte kannst du im nächsten Jahr weiterpflanzen.
- Gunda: früh, mehligkochend, für Püree, Knödel und Suppe, robust und sehr gut lagerfähig.
- Allians: mittelfrüh, festkochend, die Salatkartoffel, lagerfähig bis Mai oder Juni.
- Simonetta: mittelfrüh, festkochend, mit langer Keimruhe, deshalb etwas tiefer setzen. Für die späte Pflanzung im Mai und Juni.
- Violet Star: mittelspät bis spät, violette Schale und violettes Fleisch, farbstabil beim Kochen, lagerfähig bis Mai oder Juni.
Die Pflanzkartoffeln stehen bei den Wurzelgemüsen, nach Pflanzmonaten sortiert im Aussaatkalender.
Eigenes Pflanzgut aus der Ernte
Kartoffeln sind sortenecht, du kannst also einen Teil der Ernte als Pflanzgut fürs nächste Jahr zurücklegen: mittelgroße, gesunde Knollen von den kräftigsten Pflanzen, kühl und dunkel gelagert, ab März vorgekeimt. Nach ein paar Jahren lässt der Ertrag nach, weil sich Viren in den Knollen anreichern. Dann holst du dir einmal frisches Bio-Pflanzgut und fängst wieder von vorn an.
Häufige Fragen
Wann Kartoffeln pflanzen?
Von April bis Mai, sobald der Boden etwa 8 °C hat. Späte Sorten für die Winterernte im Mai und Juni.
Wie tief und mit welchem Abstand?
8 bis 10 cm tief, 30 cm Abstand in der Reihe, 50 bis 70 cm zwischen den Reihen. Der Reihenabstand ist die Erde zum Anhäufeln.
Muss ich Kartoffeln vorkeimen?
Müssen nicht, aber es bringt zwei Wochen Vorsprung und kräftigere Pflanzen. Ab März hell und kühl aufstellen, bis kurze, feste Keime da sind.
Wie oft anhäufeln?
Ein- bis zweimal, sobald das Laub 15 bis 20 cm hoch ist, bis Ende Mai. In der Tonne so oft, bis sie voll ist.
Wachsen Kartoffeln im Eimer oder Sack auf dem Balkon?
Ja, nach demselben Prinzip wie in der Tonne: vier Knollen, schichtweise Erde nachfüllen, regelmäßig gießen. Sorten wählen, die beim Anhäufeln nachlegen, etwa Rote Desiree oder Allians.
Wann sind Kartoffeln erntereif?
Wenn das Laub gelb wird und umfällt. Frühkartoffeln auch früher, dann aber direkt essen. Zum Einlagern warten, bis das Laub ganz abgestorben ist.
Wie lagere ich Kartoffeln ohne Keller?
Dunkel, kühl und luftig, etwa in der frostfreien Garage oder einem Schuppen, in Holzkisten oder Jutesäcken. Nicht im Kühlschrank und nicht in Plastik.
Sind grüne Kartoffeln giftig?
Grüne Stellen enthalten Solanin. Kleine Stellen großzügig wegschneiden, stark grüne Knollen nicht essen. Vorbeugen mit tief pflanzen und anhäufeln.


